Tippen lernen in 30 Tagen: ein Plan über vier Wochen
Zehn bis fünfzehn Minuten täglich ergeben über 30 Tage zusammen fünf bis siebeneinhalb Stunden Übung, und diese Zeit verteilt sich besser auf vier Stufen als auf vier Wochen ohne Ordnung. Der Plan unten teilt die 30 Buchstaben des deutschen Layouts so auf, dass jede Woche auf der vorigen aufsetzt.
Woche 1: die Grundreihe und der Rückweg
Geübt werden nur die acht Tasten der Grundstellung, a, s, d, f, j, k, l, ö, dazu die Leertaste mit einem Daumen. Inhalt sind kurze Buchstabenfolgen und die wenigen Wörter, die sich daraus bilden lassen, etwa Fall, Salz oder als.
Die eigentliche Arbeit dieser Woche ist der Rückweg. Nach jedem Anschlag kehren die Finger auf ihre Taste zurück, die Zeigefinger suchen die Wölbung auf f und j. Wer das jetzt nicht anlegt, verliert später ständig die Position und schaut hinunter. Der Aufbau des Systems steht im Zehnfingersystem.
Ehrlich gesagt ist diese Woche die unangenehmste. Das Tempo liegt unter dem, was mit zwei Fingern längst möglich war, weil jede Bewegung neu entsteht. Das ist der normale Verlauf.
Woche 2: obere und untere Reihe
Jetzt kommen die Reihen darüber und darunter dazu, aber nicht auf einmal. Sinnvoll ist die Aufteilung: drei Tage obere Reihe von q bis ü, drei Tage untere Reihe von y bis Bindestrich, ein Tag beides gemischt.
Jeder Finger greift schräg nach oben und schräg nach unten und kommt zurück. Die Zeigefinger übernehmen dabei je zwei Spalten, die kleinen Finger die Ränder. Welche Taste zu welchem Finger gehört, steht bei der Fingerhaltung.
In dieser Woche entstehen die ersten echten Wörter ohne Blick nach unten. Das fühlt sich abrupt besser an als Woche 1, und der Eindruck stimmt: der Sprung liegt nicht im Tempo, sondern darin, dass die Hand die Zielrichtung kennt.
Woche 3: Fließtext, Satzzeichen und Großschreibung
Ab hier werden echte Sätze abgeschrieben. Neu sind drei Dinge: Shift mit der Gegenhand für Großbuchstaben, Komma und Punkt mit dem rechten Mittel- und Ringfinger, und die Umlaute plus ß am rechten Rand, die dem kleinen Finger vier zusätzliche Griffe geben.
Diese Woche kostet zunächst Genauigkeit, weil ein Satz mehr verlangt als eine Wortliste: Rhythmus über eine ganze Zeile, Blick auf der Vorlage, Hände ruhig. Der Schreibtest liefert dafür Läufe über 15, 30 und 60 Sekunden sowie einen Modus über den vollständigen Text ohne Uhr, und für diese Woche ist der Modus ohne Uhr der nützlichere.
Woche 4: Zahlen, Sonderzeichen und längere Strecken
Zum Schluss kommen die Zahlenreihe, die Sonderzeichen mit Shift und die dritte Ebene über AltGr dazu, also At-Zeichen, Klammern und Schrägstrich. Wer einen Nummernblock hat, übt Zahlen zusätzlich dort, weil die Griffe dort völlig anders liegen.
Der zweite Teil dieser Woche gehört der Länge. Zwei bis drei Minuten durchgehend schreiben ist etwas anderes als 30 Sekunden, weil zwei Dinge dazukommen: die Erholung nach einem Fehler und der Moment, in dem die Aufmerksamkeit nachlässt.
Die Schwelle zwischen zwei Wochen
Eine Woche ist nicht nach sieben Tagen fertig, sondern wenn eine Übung sauber durchläuft. Als Schwelle bewährt sich die Genauigkeit, nicht das Tempo: Solange ein Lauf unter etwa 95 Prozent richtiger Anschläge bleibt, wird die Stufe wiederholt und bewusst langsamer getippt.
Dazu gehört eine zweite Bedingung, die sich schlecht messen und leicht spüren lässt. Wenn der Blick während des Laufs mehr als ein paar Mal nach unten geht, fehlt der Rückweg zu f und j, und dann hilft keine neue Reihe. Die Schwelle ist eine Beschreibung des Zustands, keine Note.
Wie eine Einheit aufgebaut ist
Ein brauchbares Muster für zwölf Minuten: zwei Minuten Aufwärmen in der Grundstellung, dann zwei bis drei kurze Läufe über 30 oder 60 Sekunden, dann sechs bis sieben Minuten ein längerer Text ohne Zeitnahme. Der letzte Teil ist der wichtigste, weil dort der Rhythmus entsteht.
Nach jedem Lauf zeigt die Fehlerkarte, welche Tasten am häufigsten verfehlt wurden. Zwei bis drei auffällige Tasten pro Woche reichen als Zusatzübung, mehr wird unübersichtlich. Wie Genauigkeit, Gleichmäßigkeit und Tempo zusammenhängen, steht unter blind schreiben lernen.
Wenn 30 Tage nicht reichen
Der Plan ist eine Reihenfolge, kein Versprechen über Zahlen. Manche brauchen für Woche 2 zehn Tage, manche fünf, und beides führt an dieselbe Stelle. Wer nach vier Wochen alle Tasten blind trifft, hat den Teil erledigt, der Anleitung braucht. Alles danach ist Übung im Alltag, und wie das Tempo dabei überhaupt gezählt wird, steht unter Anschläge pro Minute.
Für die langen Einheiten ohne Uhr trägt ein Text, der von Dialog lebt. Gotthold Ephraim Lessings Die Traube von 1759 ist eine kurze Fabel, in der der Fuchs die unerreichte Traube sauer nennt und ein Sperling sie kostet und süß findet. Sie bringt Anführungszeichen, Ausrufezeichen und Großschreibung in genau der Mischung, die Woche 3 verlangt, und liegt mit Quelle und Jahr im Schreibtest.