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Märchen und Fabeln

Die Selbstkritik hat viel für sich

Wilhelm Busch erschienen 1874 400 Zeichen leicht

Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich; So hab ich erstens den Gewinn, Daß ich so hübsch bescheiden bin; Zum zweiten denken sich die Leut, Der Mann ist lauter Redlichkeit; Auch schnapp ich drittens diesen Bissen Vorweg den andern Kritiküssen; Und viertens hoff ich außerdem Auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, Daß ich ein ganz famoses Haus.

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Über diesen Text

Das Gedicht steht in Wilhelm Buschs Sammlung Kritik des Herzens von 1874. Es war Buschs erstes Buch mit Versen ohne Bilder, was das Publikum überraschte, weil man ihn als Zeichner kannte. Die Aufzählung erstens bis viertens macht aus einer Selbsteinschätzung eine kleine Rechnung. Die Sammlung liegt bei Project Gutenberg als freie Textdatei vor.

Woher dieser Text stammtZwölf Zeilen in Reimpaaren, ohne Überschrift, aus einem Band, dessen dreizehnte Auflage 1914 erschien. Der Aufbau ist eine Rechnung: erstens, zum zweiten, drittens, viertens, und die Schlusszeile zieht das Ergebnis. Daß steht zweimal am Zeilenanfang, mit großem D und ß im selben kurzen Wort. Kritiküssen trägt ein ü an einer Stelle, an der die Hand es nicht erwartet, und schließt damit einen Reim auf Bissen ab. Getippt wird also eine Aufzählung, die aussieht wie ein Kassenzettel und klingt wie ein Geständnis.

Was man leicht übersiehtVier Semikolons stehen in zwölf Zeilen, also mehr, als es Punkte gibt: von denen zählt das Stück nur drei. Busch trennt damit die vier Posten seiner Rechnung, ohne den Gedanken je ganz abzuschließen. Quelle

Was er übtVierhundert Zeichen, siebenundsechzig Wörter, im Schnitt knapp fünf Buchstaben je Wort: die Griffe sind kurz, die Zeichensetzung ist es nicht. Fünf Kommas und vier Semikolons treffen auf nur drei Punkte, und weil das Semikolon auf der deutschen Belegung die Umschalttaste braucht, geht der Finger öfter nach oben als zum Punkt. Zweiundzwanzig Großbuchstaben stehen im Text, neunzehn davon mitten im Satz, denn jede Verszeile beginnt oben. Sechs Sonderzeichen teilen sich in drei ü und drei ß. Elf Zeilenwechsel kommen dazu, im Schnitt alle sechsunddreißig Zeichen einer. Die Reime zwingen außerdem dazu, jede Zeile bis zum letzten Buchstaben zu lesen, weil der Sinn erst mit dem Reimwort einrastet.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Project Gutenberg

Ein junger Mann mit Backenbart im Profil vor olivgrünem Grund, Bildnis Adolph Menzels, Friedrich Eduard Meyerheim, 1839.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1874, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Project Gutenberg

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