Zum Inhalt springen

Fingerhaltung: die Grundstellung Taste für Taste

Veröffentlicht: · 4 Min Lesezeit · Aktualisiert:

Acht Finger halten acht Ausgangstasten, a, s, d, f links und j, k, l, ö rechts, und aus diesen acht Positionen ergeben sich die Zuständigkeiten für alle 30 Buchstaben des deutschen Layouts. Die Aufteilung folgt Spalten: jeder Finger bedient die Tasten, die schräg über und schräg unter seinem Platz liegen, und kehrt danach zurück.

Die acht Ausgangstasten

Die Fingerkuppen liegen locker auf den Tasten, ohne sie zu drücken. Die Hand bildet einen leichten Bogen, wie über einem Apfel, die Handrücken bleiben etwa waagerecht. Beide Zeigefinger suchen zuerst die Wölbung auf f und j, danach fallen die übrigen Finger von selbst auf ihre Tasten.

Die Daumen liegen über der Leertaste, gedrückt wird nur mit einem, üblicherweise mit dem der schwächeren Hand. Die Festlegung ist wichtiger als die Wahl.

Die Spalten der linken Hand

Die Spalten der rechten Hand

Die Doppelspalten der Zeigefinger

In der Mitte der Tastatur liegen mehr Spalten als Finger, deshalb übernehmen beide Zeigefinger je zwei. Der linke greift von f aus nach rechts zu t, g und b, der rechte von j aus nach links zu z, h und n. Das ist die einzige Stelle, an der ein Finger die Hand kurz verlässt, und sie muss danach zurückfinden.

Genau hier entstehen viele Fehler bei Buchstabenpaaren, die dieselbe Hand zweimal belasten. Die Folge zt in jetzt oder ht in nicht verlangt zwei Griffe desselben Fingers hintereinander, und dabei rutscht die Hand am leichtesten nach innen.

Warum der rechte kleine Finger am meisten trägt

Auf einem deutschen Layout ist dieser Finger für zehn Ziele zuständig, unter anderem für vier Buchstaben am äußeren Rand, für das ß in der Zahlenreihe und für Enter. Er ist gleichzeitig der kürzeste und schwächste Finger der Hand, und er muss die weitesten Wege gehen.

Zwei Bewegungen helfen dabei mehr als Kraft. Erstens dreht die ganze Hand leicht mit, statt den Finger allein zu strecken. Zweitens bleibt der Ringfinger auf dem l liegen, solange es geht, damit die Hand einen Anker behält. Wer beides nicht macht, hebt die Hand für jedes ä an und verliert die Grundstellung. Die vier Zeichen am rechten Rand sind unter Umlaute und Eszett im Einzelnen beschrieben.

Enter ist der Griff, der die Hand am weitesten aus der Ordnung holt. Auf der ISO-Form ist die Taste hoch, also über zwei Reihen erreichbar, und der kürzere Weg liegt auf Höhe der Grundreihe.

Die Karte in Worten

Wer sich die Aufteilung ohne Bild vorstellen will, denkt in vier Reihen und zehn schrägen Spalten. Die Spalten laufen von links oben nach rechts unten, weil die Tastenreihen versetzt sind: über dem a liegt das q einen halben Tastenschritt nach rechts, unter dem a das y einen halben Schritt nach links.

Die linke Hand deckt die Spalten eins bis fünf, wobei Spalte vier und fünf beide dem Zeigefinger gehören. Die rechte Hand deckt die Spalten sechs bis zehn, hier gehören Spalte sechs und sieben dem Zeigefinger, und der kleine Finger nimmt zusätzlich alles, was rechts von Spalte zehn noch kommt. Die Grundreihe ist die Mittelachse dieser Karte, die beiden Wölbungen auf f und j sind ihre Fixpunkte.

Handgelenk, Ellenbogen, Höhe

Das Handgelenk bleibt gerade und liegt nicht auf der Kante der Tischplatte auf. Aufliegen darf der Handballen, und zwar in Pausen, nicht während der Bewegung. Die Unterarme stehen etwa waagerecht, der Ellenbogen bildet einen Winkel um 90 Grad, die Schultern bleiben unten.

Flache Tastaturen sind hier im Vorteil, weil eine hohe Bauform das Handgelenk nach oben knickt. Wer eine hohe Tastatur hat, stellt die aufklappbaren Füße besser nicht auf und legt eine Auflage davor.

Vier Dinge, die die Ordnung auflösen

1. Ein Blick nach unten nach jedem Wort, weil der Rückweg zu f und j fehlt. 2. Großbuchstaben mit dem Shift derselben Hand, wodurch die Hand jedes Mal die Position verlässt. 3. Der kleine Finger, der ausgestreckt wartet, statt zu greifen und zurückzukommen. 4. Ein Tempo, das über der eigenen Genauigkeit liegt, wodurch aus Griffen Rutscher werden.

Die Reihenfolge des Aufbaus und die Stufen darüber stehen im Zehnfingersystem und unter blind schreiben lernen. Ob eine Taste wirklich schwer erreichbar ist oder nur nicht auslöst, klärt der Tastaturtest in einem Anschlag.

Für die Haltung selbst hilft ein ruhiger Text mehr als eine Übungsliste. Wilhelm Busch beschreibt 1874 in Er stellt sich vor sein Spiegelglas einen Mann, der sich vor dem Spiegel zurechtlegt und sich hinterher über die Eitelkeit anderer Leute ärgert. Die vierzehn Zeilen enthalten süßen, ärgert und Daß, sodass der rechte kleine Finger regelmäßig an den Rand muss, ohne dass Eile entsteht. Der Abschnitt liegt mit Quelle und Jahr im Schreibtest.

Text auswählen

Jeder Abschnitt ist gemeinfrei. Autor, Jahr und Quelle stehen auf seiner Seite.

Er stellt sich vor sein Spiegelglas

Wilhelm Busch · 1874

Das Gedicht steht in Buschs Sammlung Kritik des Herzens von 1874. Die Schreibungen arrangirt und probirt zeigen die Endung ir, die vor der Rechtschreibreform von 1901 üblich war. Die Pointe kehrt den Blick um, denn der Eitle sieht die Eitelkeit nur bei anderen. Project Gutenberg hält den Text als Datei bereit.

Diesen Text tippen

Die Selbstkritik hat viel für sich

Wilhelm Busch · 1874

Das Gedicht steht in Wilhelm Buschs Sammlung Kritik des Herzens von 1874. Es war Buschs erstes Buch mit Versen ohne Bilder, was das Publikum überraschte, weil man ihn als Zeichner kannte. Die Aufzählung erstens bis viertens macht aus einer Selbsteinschätzung eine kleine Rechnung. Die Sammlung liegt bei Project Gutenberg als freie Textdatei vor.

Diesen Text tippen

Die Traube

Gotthold Ephraim Lessing · 1759

Lessing greift hier die bekannte Fabel von Fuchs und Traube auf und dreht sie um. Bei ihm prüft ein Sperling das Urteil des Fuchses und ruft hundert Brüder herbei. Vorangestellt ist ein Satz über einen Dichter, dem laute Bewunderung mehr geschadet hat als Kritik, denn Lessing setzte seinen Fabeln oft solche Anwendungen voran. Die Textdatei liegt bei Project Gutenberg.

Diesen Text tippen

Mehr aus dem Blog

Blind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Grundstellung ASDF und JKLÖ, feste Fingerzuordnung, Genauigkeit vor Tempo und der Unterschied zwischen Anschlägen pro Minute und WPM.

Artikel lesen

Tippen lernen in 30 Tagen: ein Plan über vier Wochen

Ein Plan über vier Wochen mit Übungsinhalt, Minuten pro Tag und einer Schwelle, ab der die nächste Stufe wirklich sinnvoll wird.

Artikel lesen

Zehnfingersystem: was es ist und wie es aufgebaut ist

Acht Finger auf ASDF und JKLÖ, jede Taste einem Finger zugeordnet, die Wölbung auf F und J als einziger Orientierungspunkt. Aufbau und Nutzen.

Artikel lesen

ISO oder ANSI: die physischen Unterschiede der Tastatur

ISO und ANSI unterscheiden sich in Enter-Form, linkem Shift und Tastenzahl: 105 gegen 104 Tasten, und Keycaps passen nicht beliebig.

Artikel lesen

Werkzeuge

Tastaturtest

Taste drücken und auf dem Bildschirm aufleuchten sehen. Zeigt stumme Tasten, Tasten mit Doppelanschlag und wie viele Tasten gleichzeitig ankommen.

Tastatur prüfen

Schreibtest

Hundert kurze Texte, von Busch bis zum Grundgesetz. Du bekommst Tempo, Genauigkeit und eine Karte der Tasten, die du oft verfehlst.

Tempo messen