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Durchschnittliche Tippgeschwindigkeit: welche Zahl wirklich etwas sagt

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · 8 Min. Lesezeit

Die größte veröffentlichte Messung zum Tippen ergab im Mittel 51,56 Wörter pro Minute, erhoben an 168 000 Freiwilligen. In der Einheit, die im deutschsprachigen Raum üblich ist, sind das rund 258 Anschläge pro Minute und etwa 15 500 Anschläge pro Stunde. Dieselbe Leistung klingt in der einen Einheit gewaltig und in der anderen alltäglich, und genau dort gehen die meisten Vergleiche schief.

Wie schnell tippt ein durchschnittlicher Mensch?

Rund 52 Wörter pro Minute auf einer Computertastatur und rund 36 auf dem Telefon, gemessen an den beiden größten veröffentlichten Datensätzen. Die Zahl für die Tastatur stammt aus der Studie Observations on Typing from 136 Million Keystrokes, 2018 an der Aalto-Universität gemeinsam mit Cambridge durchgeführt: 168 000 Freiwillige, ein Mittelwert von 51,56 Wörtern pro Minute, eine Standardabweichung von 20,2 und 1,17 Prozent stehen gelassene Fehler. Die Zahl für das Telefon stammt aus der Nachfolgestudie How do People Type on Mobile Devices mit 37 370 Teilnehmenden und 36,2 Wörtern pro Minute.

MessungWer getippt hatErgebnis
136 Millionen Anschläge, 2018168 000 Freiwillige, ganz überwiegend an Notebook und Desktop51,56 Wörter pro Minute
Mobilstudie, 201937 370 Freiwillige am Telefon36,2 Wörter pro Minute
Schnellste Teilnehmende, Datensatz 2018selbst ausgewählte Freiwillige120 Wörter pro Minute und mehr
Schreibmaschinenstudien, im Papier von 2018 zitiertausgebildete Berufsschreibkräfte60 bis 75 Wörter pro Minute

Zwei Zeilen lohnen einen zweiten Blick. Zwei Daumen auf Glas erreichen etwa siebzig Prozent des Tempos auf einer vollen Tastatur, ein kleinerer Abstand als erwartet. Und die Berufsschreibkräfte der Schreibmaschinenzeit waren schneller als der heutige Durchschnitt, weil Tippen ihre Tätigkeit war.

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Welche Einheiten gibt es, und wie rechnet man um?

Drei, und sie beschreiben dieselbe Bewegung. Im deutschsprachigen Raum wird das Tempo in Anschlägen gezählt, international in Wörtern pro Minute. Ein Wort gilt dabei als fünf Zeichen einschließlich Leerzeichen, weshalb die Umrechnung reine Multiplikation bleibt und keine Schätzung ist.

Anschläge pro MinuteWörter pro MinuteAnschläge pro Stunde
100206 000
150309 000
2004012 000
2505015 000
25851,56 (gemessener Mittelwert)rund 15 500
3006018 000
4008024 000

Eine Zahl ohne Einheit sagt deshalb nichts. Derselbe Mensch erreicht im selben Durchgang 250 oder 50, je nachdem was gezählt wird. Wer Werte aus zwei Quellen nebeneinanderlegt, prüft zuerst die Einheit und danach die Dauer.

Warum sind fünfzehn Sekunden kein Arbeitstempo?

Weil die Länge eines Durchgangs das Ergebnis stärker verschiebt als fast alles andere. Fünfzehn Sekunden reichen für einen Schub auf vertrauten Wörtern: die Hände laufen an, die Aufmerksamkeit hält ohne Mühe, ein einzelner Fehler fällt kaum auf. Über sechzig Sekunden kommen zwei Dinge hinzu, die einen Schub von einem Arbeitstempo trennen, nämlich die Erholung nach einem Fehler und der Moment, in dem die Konzentration nachlässt.

Die Läufe über 15 Sekunden im Schreibtest sind daher dazu da, mit anderen Läufen über 15 Sekunden verglichen zu werden, nicht mit Ihrem eigenen Wert über eine Minute. Notieren Sie beides getrennt, dann haben Sie zwei brauchbare Zahlen. Vermischen Sie beides, dann zeigt Ihre Kurve nur, wie lang der jeweilige Durchgang war.

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Wie stark verschiebt die Genauigkeit das Ergebnis?

Rohes Tempo zählt jeden Anschlag, auch den falschen. Die verbreitete Netto-Rechnung zieht für jeden stehen gelassenen Fehler ein Wort pro Minute ab, und dadurch verändert sich das Ergebnis erheblich. Wer in sechzig Sekunden 300 Zeichen tippt, hat 60 Wörter pro Minute roh; bleiben sechs Zeichen falsch stehen, sind es netto 54.

Korrekturen wirken anders als Fehler. Ein mit der Rücktaste behobenes Zeichen kostet die zusätzlichen Anschläge und die Pause davor, taucht aber in der Fehlerzahl nicht auf. Es drückt das Tempo über die Uhr, nicht über die Genauigkeit, und deshalb sieht ein Lauf mit 99 Prozent Genauigkeit manchmal langsamer aus als ein hektischer mit 92 Prozent.

Zwei Werte gehören immer zusammen genannt. Sechzig Wörter pro Minute bei 99 Prozent bedeuten in der Praxis etwas völlig anderes als derselbe Wert bei 90 Prozent, weil im zweiten Fall auf 300 Zeichen dreißig Korrekturen warten. Im Datensatz von 2018 lag die durchschnittliche Rate stehen gelassener Fehler bei 1,17 Prozent, und Korrekturen machten 6,3 Prozent aller Anschläge aus.

Bringt ein Schreibkurs, was er verspricht?

Weniger, als die Werbung dafür nahelegt. Im selben Datensatz von 2018 kamen Teilnehmende mit Schreibkurs auf 54,35 Wörter pro Minute gegenüber 49,00 ohne Kurs. Das sind gut fünf Wörter pro Minute Unterschied bei einer kleinen Effektstärke von 0,27.

Enger mit dem Tempo hing die Zahl der eingesetzten Finger zusammen: im Mittel 6,95, und 47,6 Prozent gaben neun oder zehn an, bei r = 0,38. Die Studie nennt die Fingerzahl einen prädiktiven Faktor. Ein Kurs ist also ein Weg zu mehr Fingern, nicht eine eigene Zutat. Wie die Finger dabei liegen sollten, behandelt der Beitrag über das blinde Schreiben.

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Was steht in Stellenanzeigen, und wie liest man es?

Angaben in Anschlägen pro Stunde stammen aus der Zeit der Schreibmaschinenprüfungen und halten sich in der Sachbearbeitung, weil dort ganze Arbeitstage geplant werden. Die Umrechnung entzaubert sie zuverlässig: 10 000 sind etwa 33 Wörter pro Minute, 12 000 sind 40, 15 000 sind 50. Welche Schwelle für eine konkrete Stelle gilt, steht ausschließlich in ihrer Anzeige, und häufig steht dort neben dem Tempo eine Mindestgenauigkeit.

Beide Zahlen lassen sich einzeln prüfen. Wie ein solcher Test im Verfahren abläuft, steht im Beitrag über den Schreibtest für Bewerbungen; für Zahlenkolonnen gilt eine eigene Rechnung, die der Beitrag über den Nummernblock aufmacht.

Der Text zählt mit

Vorauslesen ist Teil der Tippgeschwindigkeit, deshalb kostet ältere oder formalere Sprache Wörter pro Minute, obwohl die Finger dieselbe Arbeit tun. Das Märchen Der süße Brei läuft in ruhigem Ton durch, Kants Frage nach dem aufgeklärten Zeitalter bremst dagegen an langen Einschüben und dichter Zeichensetzung. Zwei Ergebnisse aus denselben sechzig Sekunden können deshalb zehn Wörter pro Minute auseinanderliegen, ohne dass sich am Können etwas geändert hat.

Auch die Tastatur mischt sich ein: nach einem Gerätewechsel lohnt vor dem Messen ein Blick in den Tastaturtest.

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Für wen die Zahl zählt und für wen nicht

Ja zum Messen, wenn eine Stellenanzeige eine Schwelle nennt, wenn Ihre Arbeit nach Menge geplant oder bezahlt wird, oder wenn Sie vor einer Übungsphase einen Ausgangswert brauchen. In diesen drei Fällen entscheidet die Zahl über etwas.

Nein zum Messen, wenn der Wert nur neben fremde Werte gelegt werden soll. Ein Mittelwert aus einer anderen Erhebung, einer anderen Dauer und einer anderen Fehlerregel ist kein Vergleichsmaßstab, sondern eine andere Größe mit demselben Namen.

Womit anfangen: ein Lauf über sechzig Sekunden auf einem Text, den Sie nicht kennen, und die Genauigkeit gleich daneben notiert. Eine Woche später derselbe Aufbau. Liegen beide Werte nah beieinander, ist das Ihr Arbeitstempo.

Wann eine Durchschnittszahl gar nichts aussagt

In vier Fällen taugt sie nicht als Maßstab.

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Warum hier kein Landesdurchschnitt steht

Ein Mittelwert für ein ganzes Land wäre nur so gut wie seine Erhebung: gemessen an wem, über welche Dauer, auf welchem Text, mit welcher Genauigkeitsregel. Auch die Zahl 51,56 beschreibt keine Bevölkerung. Die Studie selbst führt ihre Grenzen auf: die Teilnehmenden wurden auf einer kommerziellen Tippseite geworben, 68 Prozent lebten in den Vereinigten Staaten, das Durchschnittsalter lag bei 24,5 Jahren, über 70 Prozent hatten einen Schreibkurs besucht und 98,1 Prozent tippten auf QWERTY.

Die Zahl beschreibt also engagierte Testteilnehmende mit deutlichem Schwerpunkt in den Vereinigten Staaten. Einen nationalen Durchschnitt hat niemand gemessen, und eine Seite, die einen nennt, hat ihn erfunden oder von einer selbst ausgewählten Stichprobe geliehen. Was der Schreibtest liefert, sind Ihre eigenen Werte über 15, 30 und 60 Sekunden, dazu Anschläge pro Minute und pro Stunde, und die bleiben im Browser Ihres Geräts.

FAQ

Was ist eine gute Tippgeschwindigkeit?

Für Bürotätigkeiten gibt es keine veröffentlichte Norm; es gilt die Zahl in der jeweiligen Anzeige. Als Größenordnung dient der gemessene Mittelwert von 51,56 Wörtern pro Minute, also rund 15 500 Anschläge pro Stunde.

Wie viele Anschläge pro Stunde sind 40 Wörter pro Minute?

12 000. Ein Wort zählt als fünf Zeichen, also sind 40 Wörter pro Minute 200 Anschläge pro Minute und damit 12 000 pro Stunde. Rückwärts gilt: Anschläge pro Stunde geteilt durch 300 ergibt Wörter pro Minute.

Wie schnell tippen Berufsschreibkräfte?

Studien aus der Schreibmaschinenzeit, im Papier von 2018 zitiert, beobachteten 60 bis 75 Wörter pro Minute. Die schnellsten Teilnehmenden des modernen Datensatzes erreichen 120 und mehr, was ein seltener Ausläufer ist und kein Maßstab.

Ist Tippen auf dem Telefon vergleichbar?

Nur grob. Die Mobilstudie maß 36,2 Wörter pro Minute mit einem oder zwei Daumen, also etwa siebzig Prozent des Tempos auf der vollen Tastatur. Die Tätigkeiten unterscheiden sich zu stark, als dass ein direkter Vergleich etwas aussagen würde.

Steigt die Geschwindigkeit mit dem Üben immer weiter?

Sie steigt zuerst schnell und flacht dann ab. Ab diesem Punkt bringen Genauigkeit und die Zahl der eingesetzten Finger mehr als reines Tempo.

Zum Ausprobieren empfiehlt sich ein Text, der von sich aus trägt. Der süße Brei der Brüder Grimm aus der Ausgabe von 1857 ist eines der kürzesten Märchen der Sammlung und erzählt von einem Töpfchen, das weiterkocht, weil das Wort zum Aufhören fehlt. Danach lohnt der Vergleich mit Universalgeschichte, Anfang der Rede, Friedrich Schillers Antrittsrede von 1789 und ein einziger Satz mit sechs Kommas, an dem Sie genau sehen, wie viel die Textsorte an Ihrer Zahl bewegt.

Quellen, geprüft am 16. August 2026: Observations on Typing from 136 Million Keystrokes und How do People Type on Mobile Devices, beide von der Forschungsgruppe für Benutzerschnittstellen der Aalto-Universität.

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