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Märchen und Fabeln

Er stellt sich vor sein Spiegelglas

Wilhelm Busch erschienen 1874 459 Zeichen leicht

Er stellt sich vor sein Spiegelglas Und arrangirt noch dies und das. Er dreht hinaus des Bartes Spitzen, Sieht zu, wie seine Ringe blitzen, Probirt auch mal, wie sich das macht, Wenn er so herzgewinnend lacht, Uebt seines Auges Zauberkraft, Legt die Cravatte musterhaft, Wirft einen süßen Scheideblick Auf sein geliebtes Bild zurück, Geht dann hinaus zur Promenade Umschwebt vom Dufte der Pomade, Und ärgert sich als wie ein Stint, Daß andre Leute eitel sind.

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Über diesen Text

Das Gedicht steht in Buschs Sammlung Kritik des Herzens von 1874. Die Schreibungen arrangirt und probirt zeigen die Endung ir, die vor der Rechtschreibreform von 1901 üblich war. Die Pointe kehrt den Blick um, denn der Eitle sieht die Eitelkeit nur bei anderen. Project Gutenberg hält den Text als Datei bereit.

Woher dieser Text stammtVierzehn Zeilen ohne Titel, genau so, wie sie in der Auflage von 1914 hintereinander stehen. Zwölf davon bilden einen einzigen Satz: die Aufzählung dessen, was der Mann vor dem Spiegel alles tut, läuft ohne Punkt weiter, bis die letzten beiden dieser Zeilen den Gedanken zuklappen. Cravatte steht mit C, Uebt beginnt mit U und e statt mit einem großen Ü, und der Reim bindet Promenade an Pomade, zwei Fremdwörter in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen. Die zwölf Zeilen des ersten Satzes zählen jede für sich eine Handlung auf, und erst am Ende dreht sich der Blick um.

Was man leicht übersiehtSechs Wörter des Bandes enden auf irt statt auf iert. Zwei davon, arrangirt und Probirt, stehen allein in diesen vierzehn Zeilen; die übrigen vier verteilen sich über den ganzen restlichen Band. Quelle

Was er übtElf Kommas und nur zwei Punkte auf 459 Zeichen: der Rhythmus kommt hier vom Zeilenwechsel, nicht vom Satzende. Dreizehn Umbrüche muss die Hand setzen, und achtundzwanzig Großbuchstaben warten dabei, sechsundzwanzig davon mitten im Satz, weil jeder Vers oben anfängt. Fünf Sonderzeichen sind dagegen wenig: zwei ü, zwei ß und ein ä. Die schwerste Arbeit machen die Fremdwörter, weil sie Buchstabe für Buchstabe gelesen sein wollen; die geübte Hand tippt sonst von selbst die heutige Endung und merkt den Fehler erst zwei Wörter später. Bei fünfundsiebzig Wörtern auf 459 Zeichen bleibt jedes Wort im Schnitt bei fünf Buchstaben, sodass nicht die Länge, sondern die Menge der Umschaltgriffe die Zeit frisst.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Project Gutenberg

Ein junger Mann mit Backenbart im Profil vor olivgrünem Grund, Bildnis Adolph Menzels, Friedrich Eduard Meyerheim, 1839.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1874, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Project Gutenberg

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