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Warum Wilhelm Tell mit drei Liedern beginnt

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · 4 Min. Lesezeit

Wilhelm Tell fängt ohne Handlung an. Bevor eine einzige Figur etwas will, singen drei Stimmen von See, Weide und Eis, und erst danach zieht ein Gewitter auf. Der Übungstext auf dieser Seite ist das dritte dieser Lieder, das Lied des Alpenjägers, mit 487 Zeichen.

Es donnern die Höhen, es zittert der Steg, Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem Weg; Er schreitet verwegen Auf Feldern von Eis;

Friedrich Schiller, Wilhelm Tell, 1804.

Woher stammt der Anfang?

Aus Weimar, nicht aus der Schweiz. Das Schauspiel wurde 1804 in Weimar erstmals gespielt, und Schiller ist nie in der Innerschweiz gewesen. Er arbeitete mit Karten und Reiseberichten, was den Landschaften ihre auffällige Genauigkeit gibt und zugleich erklärt, warum sie so gebaut wirken.

Die drei Lieder stehen am Beginn und teilen sich die Höhenlagen. Der Fischerknabe singt vom See, der ihn zum Bade lädt, der Hirt nimmt Abschied von den sonnigen Weiden, weil der Sommer hin ist, und der Alpenjäger steht schon über den Wolken.

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Was verrät die Regieanweisung?

Sie nennt die Melodie. Über dem Lied des Hirten steht Variation des Kuhreihens, über dem Lied des Alpenjägers steht Zweite Variation. Der Kuhreihen ist die Melodie, mit der Sennen ihr Vieh riefen, und Schiller lässt seine Schweizer Figuren gleich zu Beginn auf dieser einen Weise singen.

Damit ist der Anfang keine Sammlung hübscher Naturbilder, sondern ein Aufbau in drei Stufen auf demselben Ton. Nach dem letzten Vers folgt die Anweisung, dass die Landschaft sich verändert, ein dumpfes Krachen von den Bergen kommt und Schatten und Wolken über die Gegend laufen. Erst dann beginnt das Stück.

Was beim ersten Lesen leicht untergeht

Der Alpenjäger sieht die Menschen nicht mehr. Im Text steht, dass er die Städte der Menschen nicht mehr erkennt und die Welt nur durch den Riß der Wolken erblickt, tief unter den Wassern das grünende Feld. Wer die Zeilen abschreibt, merkt, dass diese Höhe im Stück später zählt, weil das ganze Drama von Leuten handelt, die zwischen Tal und Fels leben.

Auffällig ist auch der Zeilenbau. Die beiden ersten Verse sind lang und laufen durch, danach brechen die Zeilen auf drei oder vier Wörter ein. Gelesen klingt das nach Atemholen, getippt bedeutet es, dass die Eingabetaste öfter kommt als in jedem Prosatext.

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Was Sie üben, wenn Sie diesen Text schreiben

Die Umschalttaste, dauernd. Auf 100 Zeichen kommen hier 9,2 Großbuchstaben, mehr als in jedem anderen deutschen Text dieser Reihe. Der Grund ist doppelt: Substantive werden im Deutschen groß geschrieben, und zusätzlich beginnt jeder Vers mit einem Großbuchstaben, auch mitten im Satz.

Dazu kommen kurze Zeilen. 487 Zeichen verteilen sich auf 81 Wörter und zwölf Verse, das durchschnittliche Wort hat 4,8 Zeichen. Die Hand muss also häufig umschalten, häufig die Zeile wechseln und trotzdem den Takt halten, den das Lied vorgibt.

Umlaute sind mit 3,1 auf 100 Zeichen dabei, unter anderem in Höhen, Frühling und Füßen. Wer beim Zeilenwechsel jedes Mal das Tempo verliert, findet die Grundhaltung dazu in unserem Text über die Fingerhaltung in der Grundstellung.

AngabeWert
AutorFriedrich Schiller, 1759 bis 1805
Jahr1804
FormDrama, drittes Eingangslied
QuellenausgabeProject Gutenberg, Wilhelm Tell
Zeichen487 im Übungstext, 81 Wörter
Stufemittel
ÜbtGroßbuchstaben, kurze Verszeilen, Umlaute

FAQ

Wann wurde Wilhelm Tell zum ersten Mal gespielt?

1804 in Weimar. Schiller starb im Jahr darauf, 1805, sodass Tell sein letztes vollendetes Schauspiel blieb.

Wer singt am Anfang des Stücks?

Nacheinander ein Fischerknabe, ein Hirt und ein Alpenjäger. Die Regieanweisung bezeichnet die Lieder von Hirt und Alpenjäger als Variationen des Kuhreihens.

War Schiller jemals in der Schweiz?

Nein. Er arbeitete mit Karten und Reiseberichten, was den Ortsangaben im Stück ihre Genauigkeit gab.

Ist der Text schwer zu tippen?

Er gilt hier als mittel. Die Wörter sind kurz, aber die Umschalttaste kommt sehr oft, und die Verszeilen wechseln schnell.

Darf man den Text frei verwenden?

Ja. Schiller starb 1805, der Text ist gemeinfrei, und unsere Fassung folgt der Ausgabe bei Project Gutenberg.

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Schreib ihn selbst, dann bleib bei Schiller

Das Lied wartet als Lied des Alpenjägers in der Textsammlung, mit Autor, Jahr und Quelle auf der Seite. Drei Texte liegen daneben. Das verschleierte Bild zu Sais ist mit 495 Zeichen die Ballade desselben Autors, und über sein Rätselgedicht haben wir bereits geschrieben: Schillers Mädchen im Tal. Der Osterspaziergang aus Faust hat 468 Zeichen und denselben festen Takt. Frühlingsglaube von Ludwig Uhland ist mit 405 Zeichen der ruhigste der vier.

Quelle geprüft am 16. August 2026: der vollständige Text von Wilhelm Tell bei Project Gutenberg.

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