Wer das Mädchen im Tal ist, sagt Schiller nicht
Ein Gedicht von sechs Strophen erzählt von einer Gestalt, die jedes Frühjahr bei armen Hirten auftaucht, Blumen und Früchte verteilt und wieder verschwindet. Wer sie ist, sagt Friedrich Schiller in keiner Zeile. Er schrieb den Text 1796 und druckte ihn im Musen-Almanach für das Jahr 1797 auf den Seiten 17 und 18; die ersten drei Strophen liegen bei Keys&Type zum Abtippen.
In einem Tal bei armen Hirten / Erschien mit jedem jungen Jahr, / Sobald die ersten Lerchen schwirrten, / Ein Mädchen, schön und wunderbar.
Friedrich Schiller, Das Mädchen aus der Fremde, 1796.
Woher stammt dieses Gedicht?
Der Musen-Almanach war Schillers eigene Reihe. Er gab sie heraus, sie erschien bei J. G. Cotta in Tübingen, und im Jahrgang für 1797 steht das Gedicht auf den Seiten 17 und 18. Der Scan des Erstdrucks samt Angaben zur Ausgabe steht bei Wikisource, der ganze Band unter Musen-Almanach für das Jahr 1797.
Die Jahre um 1796 sind die Zeit der engen Zusammenarbeit mit Goethe in Weimar und Jena. Beide schrieben füreinander, druckten voneinander und schoben sich Stoffe zu. Schiller selbst wurde am 10. November 1759 in Marbach am Neckar geboren, weshalb dieses Gedicht bei uns im November oben steht.
Was erzählt der Text?
Die Handlung ist in wenigen Sätzen erzählt. Mit dem Frühjahr, sobald die ersten Lerchen schwirren, kommt ein Mädchen ins Tal. Niemand weiß, woher es kommt; sobald es Abschied nimmt, ist die Spur verloren. Seine Nähe tut allen wohl, doch eine Würde hält die Vertraulichkeit auf Abstand.
Dann kommen die Gaben. Das Mädchen bringt Blumen und Früchte mit, gereift auf einer anderen Flur, in einem anderen Sonnenlicht, und teilt jedem etwas zu: dem einen Früchte, dem anderen Blumen, dem Jüngling wie dem Greis am Stabe. Die letzte Strophe macht einen Unterschied: alle Gäste sind willkommen, doch einem liebenden Paar reicht sie die besten Gaben.
Auffällig ist, wie wenig Handlung dafür nötig ist: ein Kommen, ein Verteilen, ein Abschied, und das Ganze wiederholt sich mit jedem Jahr. Das Gedicht erklärt keine dieser Gesten. Es zeigt eine Ordnung, in der etwas Gutes regelmäßig wiederkommt und ohne Gegenleistung verteilt wird, und überlässt die Deutung dem Leser. Genau deshalb wird es bis heute gelesen: als Bild für den Frühling, für die Dichtkunst selbst oder für eine Zuwendung, die man nicht erklären kann.
Was sieht man auf den ersten Blick nicht?
Der Text ist ein Rätsel ohne Auflösung, und das ist Absicht. Von Schiller sind auch Rätselgedichte mit Lösung überliefert; hier bleibt die Frage offen, obwohl die Form nach einer Antwort verlangt.
Die zweite Beobachtung betrifft die Bauweise. Alle sechs Strophen haben vier Zeilen, einen gleichmäßigen Takt und Kreuzreime in der Ordnung abab. Kein Wort ist ungewöhnlich, keine Wendung gesucht. Diese Einfachheit ist der Grund, warum das Gedicht so leicht im Ohr bleibt und warum es sich zum Abtippen eignet: die Aufmerksamkeit geht ganz in die Bewegung der Hände.
Was üben Sie, wenn Sie diesen Text abtippen?
Der Abschnitt umfasst 384 Zeichen und 62 Wörter, die ersten drei Strophen, und ist als mittel eingestuft. Der Grund für die Einstufung sind nicht die Wörter, sondern die Zeilen.
- Gleichmäßige Strophen: drei Blöcke zu vier Zeilen, jeder Zeilenwechsel eine eigene Bewegung mit der Eingabetaste durch den rechten kleinen Finger.
- Umlaute in ruhiger Verteilung: Mädchen, schön, Nähe, Würde, Höhe. Sie liegen alle am rechten Rand der Buchstabenfelder.
- Kommas und Punkte am Zeilenende, an denen die Hand nicht anhalten muss, wenn die Grundstellung sitzt.
Keine Klammern, keine Ausrufezeichen, keine Zahlen: dieser Text ist eine Übung für Tempo bei gleichbleibendem Anschlag. Welcher Finger dabei welchen Weg nimmt, steht bei der Fingerhaltung, und wie sich das Ergebnis in eine Zahl übersetzt, bei der Tippgeschwindigkeit.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Autor | Friedrich Schiller |
| Jahr | 1796 |
| Form | Gedicht, sechs Strophen zu vier Zeilen |
| Ausgabe | Musen-Almanach für das Jahr 1797, S. 17 bis 18, J. G. Cotta, Tübingen |
| Zeichen im Schreibtest | 384, die ersten drei Strophen |
| Stufe | mittel |
| Übt | gleichmäßiger Takt, Zeilenwechsel, Umlaute, Kommasetzung |
FAQ
Wer ist das Mädchen aus der Fremde?
Das Gedicht sagt es nicht. Es nennt weder Namen noch Herkunft, und keine Strophe löst das Rätsel auf. Übliche Lesarten sehen darin den Frühling oder die Dichtkunst, doch der Text stützt keine davon ausdrücklich.
Wo ist das Gedicht zuerst erschienen?
Im Musen-Almanach für das Jahr 1797, herausgegeben von Schiller selbst, gedruckt bei J. G. Cotta in Tübingen, auf den Seiten 17 und 18.
Wie viele Strophen hat es?
Sechs Strophen zu je vier Zeilen. Im Schreibtest liegen die ersten drei, zusammen 384 Zeichen.
Ist das Gedicht schwer zu tippen?
Es enthält keine Sonderzeichen und keine Fremdwörter. Anspruchsvoll ist allein der Takt: viele kurze Zeilen bedeuten viele Zeilenwechsel in kurzer Folge.
Passt der Text zu einer bestimmten Jahreszeit?
Er beginnt mit den ersten Lerchen und spielt im Frühjahr. Im Kalender steht er bei uns trotzdem im November, am Geburtstag des Autors.
Womit machen Sie weiter?
Die drei Strophen stehen im Schreibtest Das Mädchen aus der Fremde. Vom selben Autor und aus derselben Zeit stammt Das verschleierte Bild zu Sais von 1795, reimlos und deutlich anspruchsvoller im Satzbau.
Wer beim Frühjahr bleiben will, nimmt Uhlands Frühlingsglaube von 1813 oder Goethes Gefunden aus demselben Jahr. Alle Abschnitte im Schreibtest stehen mit Autor, Jahr und Quelle da.
Ausgabe und Seitenzahlen stammen vom Erstdruck bei Wikisource, die Strophenzahl aus einer Werkausgabe; beides wurde am 16. August 2026 geprüft.
