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Lyrik

Blaue Hortensie

Rainer Maria Rilke erschienen 1907 323 Zeichen leicht

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, hinter den Blütendolden, die ein Blau nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln. Sie spiegeln es verweint und ungenau, als wollten sie es wiederum verlieren, und wie in alten blauen Briefpapieren ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

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Über diesen Text

Blaue Hortensie steht in Rilkes Neuen Gedichten von 1907. Der Vergleich mit Farbentiegeln und altem Briefpapier zeigt, wie genau Rilke Farbtöne benennt. Er hatte in Paris viel Zeit in Museen und Gärten verbracht und übte dort das genaue Sehen. Der Band steht bei Project Gutenberg.

Woher dieser Text stammtWas hier steht, ist die Oktave des Sonetts: zwei Vierzeiler, die sich syntaktisch schließen und mit einem Semikolon enden. Die Blätter kommen zuerst, trocken und stumpf, und erst danach das Blau, das sie nicht tragen, sondern aus der Ferne spiegeln. Rilke schreibt die Farbe also als etwas Geliehenes, nicht als Eigenschaft der Pflanze. Die Wendung des Gedichts, in der das Blau plötzlich zurückkehrt, liegt hinter diesem Ausschnitt.

Was man leicht übersiehtNur drei Sonderzeichen enthält der Ausschnitt: zwei ü in Grün und Blütendolden, ein ä in Blätter, kein ö und kein ß. Für einen deutschen Text ist das auffällig wenig. Quelle

Was er übtAcht Zeilen, zwei Sätze, ein Semikolon am Ende und dazwischen acht Kommas: fast jede Zeile trägt ein Zeichen, und die Sätze laufen trotzdem lang. Der zweite läuft über vier Zeilen, bevor er schließt, und dabei wechselt das Subjekt einmal, ohne dass ein Punkt es ankündigt. Umlaute sind selten: nur Grün, Blätter und Blütendolden tragen einen, und ä wie ü liegen beide unter der rechten Hand, direkt neben der Eingabetaste. Farbnamen werden großgeschrieben, weil sie hier Hauptwörter sind, was die Umschalttaste an Stellen fordert, an denen ein deutscher Satz sie sonst nicht braucht.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Project Gutenberg

Ein Mann mit hellem Hut, Schnurrbart und grünem Mantel vor gelbem Hintergrund, Gemälde von August Macke, 1909.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: der Autor starb 1926, der Schutz ist abgelaufen. gemeinfrei, Project Gutenberg

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