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Lyrik

An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang

Eduard Mörike erschienen 1867 424 Zeichen leicht

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe! Welch neue Welt bewegest du in mir? Was ists, daß ich auf einmal nun in dir Von sanfter Wollust meines Daseins glühe? Einem Kristall gleicht meine Seele nun, Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen; Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn, Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen, Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.

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Über diesen Text

Das Gedicht gehört zu Mörikes frühen Arbeiten und steht in seinen gesammelten Gedichten. Die hier verlinkte Fassung stammt aus einer Ausgabe von 1867, also aus Mörikes späteren Lebensjahren. Mörike lebte lange in kleinen württembergischen Orten und schrieb dort seine Verse. Der Text ist bei Wikisource nachzulesen.

Woher dieser Text stammtDie Textgrundlage ist der erste Band einer vierbändigen Werkausgabe, die H. G. Göpfert bei Carl Hanser besorgte, Seiten 9 und 10; als Parallelfundstelle nennt die Seite die vierte Auflage der Gedichte, Stuttgart bei Cotta 1867. Getippt werden die ersten zehn von neununddreißig Zeilen, also die beiden Eingangsstrophen vor dem Morgengrauen. Die Schreibung ist teils modern, teils alt: Kristall steht mit K, daß dagegen mit ß, und einmal fehlt ein Auslassungszeichen, wo man es erwartet, in ists.

Was man leicht übersiehtDer Ausschnitt besteht fast nur aus Fragen: von vier Sätzen enden zwei mit einem Fragezeichen, der erste ist ein Ausruf, und ein einziger gewöhnlicher Punkt steht in den zehn Zeilen. Quelle

Was er übtDie Arbeit steckt hier in der Wortlänge, nicht in den Sonderzeichen: Drei ü, ein ä und ein ß auf 424 Zeichen sind anderthalb auf hundert Buchstaben und damit außergewöhnlich wenig für einen deutschen Text. Flaumenleichte eröffnet die erste Zeile mit vierzehn Buchstaben, Wunderkräfte und Zauberwort folgen später, und alle drei sind zusammengesetzt, ohne Trennstrich und ohne erkennbare Fuge. Dazu kommen 26 Großbuchstaben auf siebzig Wörter, zweiundzwanzig davon mitten im Satz. Fünf Kommas verteilen sich auf vier Sätze mit im Schnitt siebzehn Wörtern, doch die Sätze laufen über die Zeilengrenze hinweg, sodass der Zeilenwechsel nie mit einer Sprechpause zusammenfällt. Wer Zeile für Zeile denkt, setzt deshalb ständig zu früh ab.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Wikisource

Titelbild zu An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang von Eduard Mörike, 1867
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1867, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Wikisource

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