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Märchen und Fabeln

Der süße Brei

Brüder Grimm erschienen 1857 461 Zeichen leicht

Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter „Töpfchen, koche,“ da kocht es, und sie ißt sich satt; nun will sie daß das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immer zu, die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollts die ganze Welt satt machen, und ist die größte Noth, und kein Mensch weiß sich da zu helfen.

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Über diesen Text

Der süße Brei trägt in der Ausgabe von 1857 die Nummer 103 unter den Kinder- und Hausmärchen. Das Märchen ist eines der kürzesten der Sammlung und lebt von zwei Zauberwörtern, die das Töpfchen befehlen und stoppen. Jacob und Wilhelm Grimm sammelten die Texte ab 1806 und arbeiteten sie über sieben Auflagen hinweg um. Die letzte von ihnen selbst betreute Ausgabe von 1857 steht bei Wikisource.

Woher dieser Text stammtVorlage ist der zweite Band der Kinder- und Haus-Märchen in der Ausgabe letzter Hand, gedruckt 1857 bei Dieterich in Göttingen. Getippt wird die Mitte der Geschichte, in der der Topf zu kochen anfängt und nicht mehr aufhört. Im Druck sind die Anführungszeichen das deutsche Paar mit tiefem Anfang und hohem Schluss; getippt wird an beiden Stellen das gerade Zeichen, und das Komma bleibt noch innerhalb des schließenden. Noth, ißt und wollts zeigen den Lautstand dieses Drucks. Wer weiterliest, findet dort auch die beiden Zauberwörter, doch im getippten Stück steht nur eines davon.

Was man leicht übersiehtDas ganze Märchen füllt eine einzige Druckseite und besteht aus fünf Sätzen. Hier stehen der dritte und der vierte, also zwei Sätze, die zusammen fast die Hälfte des gesamten Textes ausmachen. Quelle

Was er übtZwei Sätze, siebenundachtzig Wörter, mehr als dreiundvierzig je Satz: wer einmal aus dem Takt gerät, findet erst nach einer halben Seite einen Punkt. Elf Kommas gliedern das Ganze, und bei fünf davon folgt gleich ein und, was den gewohnten Rhythmus stört. Dreizehn Sonderzeichen auf 461 Zeichen sind viel: sechs ß, vier ö, zwei ü und ein ä, zusammen 3,6 Prozent der Buchstaben. Sechsmal das ß in so kurzem Text heißt sechsmal ein Griff, den nur die deutsche Belegung kennt. Die Wörter selbst bleiben kurz, gut vier Buchstaben im Schnitt. Dazu kommt ein Semikolon mitten im ersten Satz, an einer Stelle, an der ein Punkt genauso möglich wäre, und ein Paar Anführungszeichen, das die Hand aus dem Lauf reißt.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Wikisource

Ein Mann mit Zipfelmütze liegt zwischen Büchern in einer Dachkammer, über ihm ein Regenschirm, Der arme Poet, Carl Spitzweg, 1839.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1857, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Wikisource

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