Tottasten erklärt: warum Zirkumflex und Akzent stumm bleiben
Sie drücken die Taste links neben der Eins, auf der das Zeichen für den Zirkumflex steht, und im Textfeld passiert nichts. Erst der nächste Anschlag bringt ein Ergebnis, manchmal ein â, manchmal zwei Zeichen auf einmal. Die Taste ist nicht defekt. Sie ist eine Tottaste, und dieses Verhalten ist Absicht.
Was eine Tottaste tut
Eine Tottaste erzeugt beim Drücken kein Zeichen, sondern merkt sich ein diakritisches Zeichen und wartet auf den nächsten Anschlag. Passt der folgende Buchstabe dazu, verbindet das System beide zu einem Zeichen. Passt er nicht, gibt das System beide Zeichen nacheinander aus.
Im deutschen Standardlayout gibt es drei Tottasten: den Zirkumflex links neben der Eins, den Akut rechts neben dem ß und den Gravis auf derselben Taste mit Shift. Damit entstehen die Buchstaben, die im Deutschen selbst nicht vorkommen, in Lehn- und Eigennamen aber gebraucht werden.
- Zirkumflex und dann a ergibt â, mit o ergibt ô.
- Akut und dann e ergibt é, mit a ergibt á.
- Gravis und dann e ergibt è, mit u ergibt ù.
- Tottaste und dann Leertaste ergibt das Akzentzeichen allein.
- Tottaste und ein Buchstabe ohne Akzentform, etwa t, ergibt beide Zeichen hintereinander.
Warum eine Tottaste wie ein Defekt aussieht
Der einzelne Anschlag bleibt sichtbar ohne Wirkung. Genau so verhält sich auch eine Taste, deren Kontakt nicht mehr schließt. Der Unterschied liegt darin, an welcher Stelle die Kette abbricht.
Die Hardware meldet den Anschlag in beiden Fällen unterschiedlich: Eine funktionierende Tottaste löst einen regulären Tastendruck aus, den ein Testwerkzeug anzeigen kann, auch wenn kein Zeichen in das Textfeld geschrieben wird. Eine mechanisch defekte Taste löst gar nichts aus. Deshalb schaut man zuerst auf den angezeigten Tastendruck und nicht auf das Textfeld.
Ein zweiter Grund für Verwirrung ist die Anzeige in Programmen. Manche Editoren zeigen das wartende Akzentzeichen vorläufig an und ersetzen es beim nächsten Anschlag, andere zeigen bis dahin gar nichts. Dasselbe Layout wirkt dann in zwei Programmen unterschiedlich.
AltGr ist keine Tottaste
AltGr rechts neben der Leertaste öffnet die dritte Belegungsebene. Der Unterschied zur Tottaste: AltGr wird gleichzeitig mit der Zieltaste gehalten, nicht davor gedrückt und losgelassen. Das Zeichen erscheint sofort.
Im deutschen Layout entstehen so unter anderem das At-Zeichen über AltGr und q, das Euro-Symbol über AltGr und e, die geschweiften Klammern über AltGr mit der Sieben und der Null, die eckigen Klammern über AltGr mit der Acht und der Neun, der Backslash über AltGr und ß sowie der senkrechte Strich über AltGr und die kleine Taste neben dem linken Shift. Die Tilde liegt auf AltGr und der Plus-Taste. Auf manchen Systemen wirkt die Tilde selbst als Tottaste, dann braucht sie zusätzlich die Leertaste.
Wichtig ist außerdem, dass die linke Alt-Taste diese Ebene nicht öffnet. Unter Windows entspricht AltGr der Kombination aus rechtem Alt und Steuerungstaste, weshalb Strg und linkes Alt zusammen oft dasselbe Zeichen liefern. Wenn AltGr scheinbar nichts tut, liegt es fast immer daran, dass eine Anwendung die Kombination als Tastenkürzel abfängt.
Deutsch und deutsch erweitert
Neben dem Standardlayout gibt es erweiterte deutsche Belegungen. Sie behalten die Grundpositionen aller Buchstaben und ergänzen weitere Tottasten und Sonderzeichen, damit Texte mit tschechischen, polnischen oder französischen Namen ohne Layoutwechsel geschrieben werden können. Wer nur deutsche Texte tippt, merkt im Alltag keinen Unterschied, weil sich an den Buchstabenreihen nichts ändert.
Viele Systeme bieten zusätzlich eine Variante ohne Tottasten an. Dort schreiben Zirkumflex, Akut und Gravis ihr Zeichen sofort, dafür entfallen die zusammengesetzten Buchstaben. Für Programmierarbeit ist das bequem, für Namen mit Akzenten nicht.
Diagnose in vier Schritten
1. Öffnen Sie den Tastaturtest und drücken Sie die verdächtige Taste einmal. Leuchtet die Position auf, arbeitet die Hardware. 2. Sehen Sie sich das angezeigte Zeichen an. Der Test trennt die physische Tastenposition von dem Zeichen, das Ihr Systemlayout daraus erzeugt. Bei Tottasten bleibt das Zeichenfeld leer oder meldet den wartenden Zustand, während die Position sauber reagiert. 3. Tippen Sie die Taste und danach die Leertaste in ein Textfeld. Erscheint jetzt das Akzentzeichen, ist alles in Ordnung und Sie hatten eine Tottaste vor sich. 4. Bleibt die Position im Test dunkel, ist es kein Layoutthema. Prüfen Sie Kabel oder Funkverbindung, testen Sie die Tastatur an einem zweiten Gerät und achten Sie darauf, ob benachbarte Tasten mitbetroffen sind. Fällt eine ganze Reihe oder Spalte aus, deutet das auf die Matrix hin, nicht auf einen einzelnen Schalter.
Bleibt am Ende nur eine einzelne Taste ohne Reaktion, während die Nachbarn sauber melden, hilft in vielen Fällen schon Reinigung. Erst danach lohnt der Gedanke an einen Tausch des Schalters.
Umlaute und Akzente prüfen sich am angenehmsten an echtem Text. Der süße Brei der Brüder Grimm, in der Ausgabe von 1857, setzt ä, ö, ü und ß dicht hintereinander und erzählt dabei nur, wie ein Töpfchen nicht aufhören will zu kochen, sodass Sie nach wenigen Zeilen wissen, ob Ihr Layout die Zeichen so zusammensetzt, wie Sie es erwarten.