ISO oder ANSI: die physischen Unterschiede der Tastatur
Zwei Tastaturen können auf dem Produktfoto gleich aussehen und trotzdem verschieden gebaut sein. Die Bezeichnungen ISO und ANSI beschreiben nicht die Beschriftung, sondern die Form und Anordnung der Tasten. In Deutschland verkaufte Tastaturen sind fast immer ISO, in den USA verkaufte fast immer ANSI. Wer das verwechselt, merkt es spätestens beim Kauf neuer Tastenkappen.
Die Enter-Taste ist das auffälligste Merkmal
Bei ANSI ist Enter ein breites, flaches Rechteck und belegt nur eine Tastenreihe. Bei ISO steht Enter aufrecht, belegt zwei Reihen und hat die Form eines gespiegelten L: oben schmal, unten breiter. Die Fläche, auf der bei ANSI eine eigene Taste über Enter sitzt, gehört bei ISO zu Enter selbst.
Deshalb passen die beiden Formen nicht ineinander. Ein ANSI-Enter in einem ISO-Gehäuse lässt eine Lücke, ein ISO-Enter findet auf einer ANSI-Platine keine zweite Befestigung. Das ist keine Frage der Einstellung, sondern der Mechanik.
Kurzer linker Shift und eine Taste mehr
Eine Tastatur im Vollformat mit Zehnerblock hat in der ISO-Bauform 105 Tasten, in der ANSI-Bauform 104. Die zusätzliche Taste sitzt links unten, direkt neben der Umschalttaste. Der linke Shift ist bei ISO deutlich kürzer, weil rechts daneben eine schmale Extrataste Platz braucht. Im deutschen Layout liegen dort die Zeichen kleiner als, größer als und der senkrechte Strich.
Bei ANSI reicht der linke Shift durchgehend bis unter die Y-Taste. Wer von ANSI auf ISO umsteigt, greift die ersten Tage regelmäßig auf die kleine Zusatztaste statt auf Shift. Das legt sich, sobald der kleine Finger die neue Kante gelernt hat.
Wo der Backslash sitzt
Bei ANSI hat der Backslash eine eigene, breite Taste über Enter. Bei ISO gibt es diese Taste nicht. Im deutschen Layout entsteht der Backslash über AltGr und die ß-Taste. Der senkrechte Strich entsteht über AltGr und die kleine Taste neben dem linken Shift. Beides sind Belegungen der dritten Ebene, keine eigenen Tasten.
Beim Keycap-Kauf zählt die Bauform, nicht die Sprache
Viele Tastenkappen-Sätze werden für ANSI gefertigt. Ohne passendes Zusatzkit fehlen dann genau drei Teile: das hohe ISO-Enter, der kurze linke Shift und die schmale Taste daneben. Achten Sie außerdem auf die untere Reihe: Breite der Leertaste und der Modifikatortasten unterscheiden sich je nach Gehäuse, unabhängig von ISO oder ANSI.
Ein zweiter Punkt ist die Beschriftung. Ein Satz mit deutschen Legenden zeigt Y und Z an den QWERTZ-Positionen sowie eigene Kappen für ä, ö, ü und ß. Ein Satz mit US-Legenden passt mechanisch, beschriftet die Tasten aber falsch, sobald im System das deutsche Layout aktiv ist.
Warum die Windows-Einstellung die Bauform nicht ändert
Das Layout im Betriebssystem legt fest, welches Zeichen eine physische Tastenposition erzeugt. Es kann keine Taste hinzufügen und keine Form verändern. Stellen Sie auf ANSI-Hardware das deutsche Layout ein, wandern Y und Z im Zeichensatz, die Beschriftung auf den Kappen bleibt aber die alte. Und die Zeichen kleiner als, größer als und senkrechter Strich liegen im deutschen Layout auf einer Taste, die ANSI-Hardware gar nicht besitzt.
Umgekehrt gilt dasselbe: Eine ISO-Tastatur mit US-Layout im System erzeugt auf der Zusatztaste neben dem linken Shift meist kein sinnvolles Zeichen. Die Hardware bringt eine Position mit, für die das Layout keine Belegung vorsieht.
QWERTZ, AltGr und die Umlaute
QWERTZ und QWERTY unterscheiden sich nicht in der Bauform, sondern in der Belegung: Y und Z sind getauscht, weil das Z im Deutschen häufiger vorkommt. Die Umlaute ä, ö und ü haben im deutschen Layout eigene Tasten am rechten Rand, ß liegt in der Zahlenreihe rechts neben der Null.
AltGr auf der rechten Seite der Leertaste öffnet die dritte Ebene. Darüber entstehen unter anderem das At-Zeichen, das Euro-Symbol, die geschweiften und eckigen Klammern, die Tilde und der Backslash. AltGr ist kein zweites Alt: Ein linkes Alt erzeugt diese Zeichen nicht.
So prüfen Sie Ihre eigene Tastatur in zwei Minuten
Öffnen Sie den Tastaturtest und drücken Sie Enter. Leuchtet ein hohes, zweireihiges Feld auf, haben Sie ISO. Leuchtet ein breites, einreihiges Feld, haben Sie ANSI. Drücken Sie danach die Taste rechts neben dem linken Shift: Reagiert dort eine eigene Taste, ist die 105. Position vorhanden.
Der Test unterscheidet dabei zwei Dinge, die oft verwechselt werden: die physische Position der gedrückten Taste und das Zeichen, das Ihr Systemlayout daraus erzeugt. Beides wird getrennt angezeigt. Wenn eine Taste leuchtet, aber ein unerwartetes Zeichen liefert, ist die Hardware in Ordnung und das Layout im Betriebssystem die Ursache. Genau diese Trennung hilft auch bei QWERTZ, AZERTY und bei Tottasten, deren Zeichen erst nach dem zweiten Anschlag erscheint.
Wenn die Bauform geklärt ist, lernt man eine Tastatur am besten im Gebrauch kennen. Schreiben Sie dafür Grundgesetz, Artikel 1: Die Würde des Menschen ab, 1949 vom Parlamentarischen Rat beschlossen: wenige ruhige Sätze über Würde und Menschenrechte, mit langen Wörtern wie unveräußerlich, an denen sich Enter und der rechte Rand Ihres Modells gut beobachten lassen.