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Reden und Geschichte

Was ist Aufklärung? Freiheit der Vernunft

Immanuel Kant erschienen 1784 426 Zeichen fordernd

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stükken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: räsonnirt nicht! Der Offizier sagt: räsonnirt nicht, sondern exercirt! Der Finanzrath: räsonnirt nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: räsonnirt nicht, sondern glaubt!

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Über diesen Text

In diesem Abschnitt unterscheidet Kant den öffentlichen und den privaten Gebrauch der Vernunft. Kant führt kurze Rufe an, mit denen Amt und Beruf das eigene Nachdenken abschneiden, und stellt ihnen die Freiheit des öffentlichen Räsonierens gegenüber. Die Schreibweise Stükken zeigt, dass der Text nach dem Druck von 1784 wiedergegeben ist. Wikisource verzeichnet dazu die abweichenden Schreibungen des Erstdrucks.

Woher dieser Text stammtDie Textfassung gibt das Dezemberheft der Berlinischen Monatsschrift von 1784 wieder, in dem der Aufsatz die Seiten 481 bis 494 füllt. Der Ausschnitt stammt aus der Mitte und bricht ab, bevor im Druck eine Klammer folgt, in der ein einziger Herr in der Welt zu Wort kommt. Die alten Formen fallen sofort auf: Finanzrath mit th, dazu die Verben exercirt und räsonnirt mit der Endung irt. Die drei Berufe folgen einander ohne Absatz, direkt hintereinander im Fließtext.

Was man leicht übersiehtIm Druck von 1784 ist Freiheit gesperrt gesetzt, also mit Zwischenräumen zwischen den Buchstaben, und der Strichpunkt dahinter gehört zur Sperrung dazu. Danach erst beginnt die Reihe der Zurufe. Quelle

Was er übtEin einziger Punkt steht in diesem Stück, dafür vier Ausrufezeichen und fünf Doppelpunkte: die Zeichensetzung dreht sich um Anrede und Zuruf, nicht um Satzenden. Viermal fällt dasselbe Wort, räsonnirt, jedes Mal hinter einem Doppelpunkt und dreimal davon gefolgt von Komma und zweitem Verb. Elf Sonderzeichen auf 426 Zeichen sind 3,1 Prozent der Buchstaben, allein sieben ä darunter. Zehn der fünfzehn Großbuchstaben stehen mitten im Satz. Und unschädlichste verlangt vierzehn Buchstaben in einem Zug, mit einem ä in der Mitte, das den Lauf genau dort bricht, wo er Fahrt aufnimmt. Bei den letzten beiden Rufen ist der Bau sogar gleich: Amtsbezeichnung, Doppelpunkt, Zuruf, Komma, Gegenwort, Ausrufezeichen. Wer das einmal bemerkt hat, schreibt den Schluss deutlich schneller als den Anfang.

Mehr zu diesem TextWarum Kant die Aufklärung für unvollendet hielt

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Wikisource

Ein Mann mit breitem Hut und hellem Mantel liegt auf Steinblöcken vor antiken Ruinen, Goethe in der römischen Campagna, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1787.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1784, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Wikisource

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