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Tippen lernen für Kinder: ab wann, wie lange und womit

Veröffentlicht: · Aktualisiert: · 7 Min. Lesezeit

Ob ein Kind mit dem Zehnfingersystem anfangen kann, entscheidet die Spannweite seiner Hände und nicht sein Geburtsjahr: Auf einer QWERTZ-Tastatur muss jede Hand die vier Tasten der Grundstellung halten und von dort die Reihe darüber und die darunter erreichen, ohne dass die Handfläche mitwandert. Solange das nicht geht, übt das Kind gegen seine eigene Anatomie.

Wie prüfen Sie, ob die Hand schon reicht?

Setzen Sie das Kind an die Tastatur, legen Sie die linke Hand auf a, s, d, f und die rechte auf j, k, l, ö. Dann bitten Sie es, ohne die Handfläche zu verschieben, das q und danach das y zu drücken, also einmal nach oben und einmal nach unten. Klappt beides, ist der Weg frei. Erreicht der kleine Finger die Ränder nicht, warten Sie ein halbes Jahr und lassen es bis dahin so tippen, wie es mag.

Die Tastatur selbst spielt mit. Eine Tastatur im Vollformat mit Nummernblock ist breit, und deshalb liegt die Mitte nicht vor dem Kind, sondern links davon. Ein Modell ohne Nummernblock rückt die Hände zusammen und die Schultern in eine bequemere Haltung. Wichtig ist außerdem, dass die Füße Boden haben und die Unterarme waagerecht liegen; ein Kissen auf dem Stuhl und ein Buch unter den Füßen erledigen das ohne neue Möbel.

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Wie lang sollte eine Einheit sein?

Zehn Minuten sind für ein Kind eine vollständige Einheit, und drei oder vier solche Einheiten pro Woche bringen mehr als eine lange am Wochenende, weil Bewegungsmuster in vielen kurzen Wiederholungen entstehen. Sobald die Aufmerksamkeit abfällt, ist die Einheit vorbei, auch nach vier Minuten. Prozentangaben über Fortschritt veröffentlichen wir nicht, weil wir keine Untersuchung dazu haben und eine erfundene Zahl niemandem hilft.

Was in dieser Zeit passiert, hat eine Reihenfolge: erst alle Buchstaben blind treffen, dann ohne Blick nach unten schreiben, dann Satzzeichen und Großschreibung, ganz zuletzt Ziffern. Die Methode selbst mit der vollständigen Fingerzuordnung steht im Beitrag über das blinde Schreiben.

Was ist der Unterschied zwischen Spiel und Übung?

Ein Tippspiel trainiert das schnelle Finden eines Buchstabens und die Reaktion. Eine Übung trainiert, dass ein bestimmter Finger einen bestimmten Buchstaben nimmt. Das ist nicht dasselbe, und beides hat seinen Platz.

TippspielÜbung mit Fingerzuordnung
TrainiertFinden, Reaktion, Ausdauer der Aufmerksamkeitfeste Zuordnung Finger zu Taste, Rückweg zur Grundstellung
Trainiert nichtdie Zuordnung; zwei Zeigefinger genügen zum GewinnenTempo unter Zeitdruck
Hält das Kind bei der Sachemeist jaselten länger als zehn Minuten
Sinnvoll alsAbschluss einer Einheit, fünf MinutenKern der Einheit, direkt am Anfang

Der Unterschied wird praktisch, wenn ein Kind nur spielt: Dann wird es beim Suchen schnell, behält aber zwei Zeigefinger und schaut auf die Tasten. Diese Gewohnheit hält lange, weil sie funktioniert. Umgekehrt hält reine Wiederholung ohne Spiel selten eine Woche. Eine brauchbare Mischung ist eine kurze Übung mit fester Fingerzuordnung, danach fünf Minuten Spiel als Belohnung.

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Was hilft von Seiten der Eltern?

Am meisten hilft es, daneben zu sitzen und die Buchstaben laut mitzusprechen, solange das Kind sie sucht. Ein Blatt Papier über die Hände gelegt nimmt den Blick nach unten weg, ohne dass Sie Aufkleber auf die Tasten kleben müssen; die Rille auf f und j reicht dem Kind als Orientierung.

Was man sich sparen kann: Korrigieren während des Schreibens. Ein Fehler mitten im Satz bemerkt das Kind selbst, und ein Hinweis von außen unterbricht die Bewegung genau dann, wenn sie sich festigen soll. Sprechen Sie danach darüber, welche zwei Tasten es am häufigsten verwechselt hat, und üben Sie in der nächsten Einheit genau diese beiden.

Warum ohne Uhr anfangen?

Der Schreibtest hat neben den Läufen über 15, 30 und 60 Sekunden einen Modus über den vollständigen Text und einen ohne Uhr. Für Kinder ist der Modus ohne Uhr der Anfang, weil ein laufender Zähler die Aufmerksamkeit von den Fingern wegzieht. Die Fehlerkarte nach dem Durchgang ist dagegen brauchbar, denn sie zeigt in einem Bild, welche Tasten Mühe gemacht haben, und daraus wird die Aufgabe für die nächste Einheit.

Ein Wort zur Textauswahl. Die Vorlagen hier sind gemeinfrei und stammen aus dem 19. Jahrhundert, weshalb sie alte Schreibungen enthalten, etwa daß statt dass oder gieng statt ging. Für ein Kind, das Rechtschreibung gerade erst lernt, sagen Sie das besser vorher. Wer das umgehen will, nutzt das Feld für eigenen Text und fügt einen Abschnitt aus dem Lesebuch des Kindes ein.

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Was zeigt der erste Monat?

Zuerst ändert sich nicht die Zahl, sondern der Blick: Das Kind schaut seltener nach unten und findet nach einem Fehler schneller zurück. Danach wird der Anschlag gleichmäßiger, hörbar am Rhythmus. Das Tempo kommt zuletzt und meist ohne Zutun. Falls eine Taste dabei wirklich klemmt und das Kind an derselben Stelle immer hängt, klärt der Tastaturtest in einer Minute, ob es an der Hand oder am Schalter liegt.

Für die ersten Wochen passt ein Märchen. Frau Holle, der Dienst im Haus der Brüder Grimm in der Ausgabe von 1857 erklärt den Schneefall damit, dass beim Aufschütteln des Bettes die Federn wie Schneeflocken umherfliegen. Wenn das getippt ist, wartet mit Hans im Glück, der Lohn aus derselben Ausgabe von 1857 eine Kette von Tauschgeschäften, bei der der Besitz kleiner und die Laune besser wird.

Für welches Kind der Anfang jetzt sinnvoll ist

Ja, wenn der Reichweitentest gelingt, wenn das Kind Buchstaben sicher erkennt und wenn in der Schule bereits Texte am Rechner geschrieben werden. Dann trifft die Übung auf einen echten Anlass, und der Anlass trägt weiter als jede Belohnung.

Nein, wenn der kleine Finger die Ränder nicht erreicht oder wenn das Kind noch am Lesen arbeitet. Beides holt kein Übungsprogramm auf. Warten Sie ein halbes Jahr und lassen Sie das Kind bis dahin so tippen, wie es mag; der Schaden durch das Suchen mit zwei Fingern ist kleiner als der Frust durch eine Aufgabe, die die Hand nicht hergibt.

Womit anfangen: mit dem Reichweitentest, danach mit dem Modus ohne Uhr im Schreibtest. Ein laufender Zähler zieht die Aufmerksamkeit von den Fingern weg, und genau die Aufmerksamkeit ist in den ersten Wochen die knappe Größe.

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Wann Üben in diesem Alter nichts bringt

FAQ

Ab welchem Alter kann ein Kind blind schreiben lernen?

Ein Alter lässt sich nicht seriös nennen, weil Hände unterschiedlich schnell wachsen. Entscheidend ist die Probe: linke Hand auf a, s, d, f, rechte auf j, k, l, ö, dann ohne Verschieben der Handfläche q und y drücken. Klappt beides, ist der Weg frei.

Wie lange sollte eine Einheit dauern?

Zehn Minuten, und sie ist vorbei, sobald die Aufmerksamkeit abfällt, auch nach vier. Drei oder vier Einheiten pro Woche bringen mehr als eine lange am Wochenende, weil Bewegungsmuster in vielen kurzen Wiederholungen entstehen.

Sind Tippspiele sinnvoll?

Als Zugabe ja, als einziges Mittel nein. Ein Spiel trainiert das schnelle Finden, eine Übung die feste Zuordnung von Finger und Taste. Eine kurze Übung am Anfang und fünf Minuten Spiel danach ist die Mischung, die beides erhält.

Soll ich Aufkleber auf die Tasten kleben oder abkleben?

Weder noch. Ein Blatt Papier über die Hände nimmt den Blick nach unten weg und lässt sich jederzeit wegnehmen. Als Orientierung reichen dem Kind die Rillen auf F und J, und genau die soll es ja finden lernen.

Sind die alten Märchentexte für Kinder geeignet?

Inhaltlich ja, orthografisch mit einem Hinweis. Die Vorlagen sind gemeinfrei und stammen aus dem 19. Jahrhundert, deshalb enthalten sie Schreibungen wie daß statt dass. Für ein Kind, das Rechtschreibung gerade lernt, sagen Sie das vorher, oder Sie fügen im Feld für eigenen Text einen Abschnitt aus dem Lesebuch ein.

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