Tippen lernen für Kinder: ab wann, wie lange und womit
Ob ein Kind mit dem Zehnfingersystem anfangen kann, entscheidet die Spannweite seiner Hände und nicht sein Geburtsjahr: Auf einer QWERTZ-Tastatur muss jede Hand die vier Tasten der Grundstellung halten und von dort die Reihe darüber und die darunter erreichen, ohne dass die Handfläche mitwandert. Solange das nicht geht, übt das Kind gegen seine eigene Anatomie.
Der Reichweitentest
Setzen Sie das Kind an die Tastatur, legen Sie die linke Hand auf a, s, d, f und die rechte auf j, k, l, ö. Dann bitten Sie es, ohne die Handfläche zu verschieben, das q und danach das y zu drücken, also einmal nach oben und einmal nach unten. Klappt beides, ist der Weg frei. Erreicht der kleine Finger die Ränder nicht, warten Sie ein halbes Jahr und lassen es bis dahin so tippen, wie es mag.
Die Tastatur selbst spielt mit. Eine Tastatur im Vollformat mit Zehnerblock ist breit, und deshalb liegt die Mitte nicht vor dem Kind, sondern links davon. Ein Modell ohne Zahlenblock rückt die Hände zusammen und die Schultern in eine bequemere Haltung. Wichtig ist außerdem, dass die Füße Boden haben und die Unterarme waagerecht liegen; ein Kissen auf dem Stuhl und ein Buch unter den Füßen erledigen das ohne neue Möbel.
Kurze Einheiten, öfter
Zehn Minuten sind für ein Kind eine vollständige Einheit, und drei oder vier solche Einheiten pro Woche bringen mehr als eine lange am Wochenende, weil Bewegungsmuster in vielen kurzen Wiederholungen entstehen. Sobald die Aufmerksamkeit abfällt, ist die Einheit vorbei, auch nach vier Minuten. Prozentangaben über Fortschritt veröffentlichen wir nicht, weil wir keine Untersuchung dazu haben und eine erfundene Zahl niemandem hilft.
Was in dieser Zeit passiert, hat eine Reihenfolge: erst alle Buchstaben blind treffen, dann ohne Blick nach unten schreiben, dann Satzzeichen und Großschreibung, ganz zuletzt Ziffern. Die Methode selbst mit der vollständigen Fingerzuordnung steht im Beitrag über das blinde Schreiben.
Spiele und Übungen tun Verschiedenes
Ein Tippspiel trainiert das schnelle Finden eines Buchstabens und die Reaktion. Eine Übung trainiert, dass ein bestimmter Finger einen bestimmten Buchstaben nimmt. Das ist nicht dasselbe, und beides hat seinen Platz.
Der Unterschied wird praktisch, wenn ein Kind nur spielt: Dann wird es beim Suchen schnell, behält aber zwei Zeigefinger und schaut auf die Tasten. Diese Gewohnheit hält lange, weil sie funktioniert. Umgekehrt hält reine Wiederholung ohne Spiel selten eine Woche. Eine brauchbare Mischung ist eine kurze Übung mit fester Fingerzuordnung, danach fünf Minuten Spiel als Belohnung.
Die Rolle der Eltern
Am meisten hilft es, daneben zu sitzen und die Buchstaben laut mitzusprechen, solange das Kind sie sucht. Ein Blatt Papier über die Hände gelegt nimmt den Blick nach unten weg, ohne dass Sie Aufkleber auf die Tasten kleben müssen; die Rille auf f und j reicht dem Kind als Orientierung.
Was man sich sparen kann: Korrigieren während des Schreibens. Ein Fehler mitten im Satz bemerkt das Kind selbst, und ein Hinweis von außen unterbricht die Bewegung genau dann, wenn sie sich festigen soll. Sprechen Sie danach darüber, welche zwei Tasten es am häufigsten verwechselt hat, und üben Sie in der nächsten Einheit genau diese beiden.
Ohne Uhr anfangen
Der Schreibtest hat neben den Läufen über 15, 30 und 60 Sekunden einen Modus über den vollständigen Text und einen ohne Uhr. Für Kinder ist der Modus ohne Uhr der Anfang, weil ein laufender Zähler die Aufmerksamkeit von den Fingern wegzieht. Die Fehlerkarte nach dem Durchgang ist dagegen brauchbar, denn sie zeigt in einem Bild, welche Tasten Mühe gemacht haben, und daraus wird die Aufgabe für die nächste Einheit.
Ein Wort zur Textauswahl. Die Vorlagen hier sind gemeinfrei und stammen aus dem 19. Jahrhundert, weshalb sie alte Schreibungen enthalten, etwa daß statt dass oder gieng statt ging. Für ein Kind, das Rechtschreibung gerade erst lernt, sagen Sie das besser vorher. Wer das umgehen will, nutzt das Feld für eigenen Text und fügt einen Abschnitt aus dem Lesebuch des Kindes ein.
Was der erste Monat zeigt
Zuerst ändert sich nicht die Zahl, sondern der Blick: Das Kind schaut seltener nach unten und findet nach einem Fehler schneller zurück. Danach wird der Anschlag gleichmäßiger, hörbar am Rhythmus. Das Tempo kommt zuletzt und meist ohne Zutun. Falls eine Taste dabei wirklich klemmt und das Kind an derselben Stelle immer hängt, klärt der Tastaturtest in einer Minute, ob es an der Hand oder am Schalter liegt.
Für die ersten Wochen passt ein Märchen. Frau Holle, der Dienst im Haus der Brüder Grimm in der Ausgabe von 1857 erklärt den Schneefall damit, dass beim Aufschütteln des Bettes die Federn wie Schneeflocken umherfliegen. Wenn das getippt ist, wartet mit Hans im Glück, der Lohn aus derselben Ausgabe von 1857 eine Kette von Tauschgeschäften, bei der der Besitz kleiner und die Laune besser wird.