Schweizer Tastatur: QWERTZ ohne ß
Die Schweiz tippt auf einem eigenen Layout, und wer es zum ersten Mal vor sich hat, merkt das nicht an den Buchstaben: alle 26 liegen genau dort, wo das deutsche QWERTZ sie hinlegt, samt dem getauschten Y und Z. Der Unterschied beginnt eine Ebene darüber. 21 der 48 Zeichentasten sind anders belegt als in Deutschland, das ß fehlt vollständig, und die drei Umlaut-Tasten bedienen zwei Sprachen zugleich, weil dasselbe Stück Plastik in Zürich Deutsch und in Lausanne Französisch schreiben muss. Die Belegungsangaben stammen aus den Layout-Dateien, die Windows für die Schweiz hinterlegt, nicht aus anderen Artikeln.
Was unterscheidet die Schweizer Tastatur vom deutschen QWERTZ?
Auf den ersten Blick wenig, beim ersten Satz eine Menge. Die Tabelle stellt die Belegungen einander gegenüber, wie sie in den beiden Layout-Dateien stehen:
| Merkmal | Deutschland | Schweiz |
|---|---|---|
| ß | eigene Taste rechts neben der 0 | nicht vorhanden, geschrieben wird ss |
| @ | AltGr und q | AltGr und 2 |
| ç | nicht erreichbar | Umschalt und 4 |
| Ausrufezeichen | Umschalt und 1 | Umschalt und ¨, rechts vom ü |
| Umschalt und 1 | ! | + |
| Geschweifte Klammern | AltGr mit 7 und 0 | AltGr mit ä und der Dollartaste |
| Taste links neben der 1 | ^ als Tottaste, ° | § und °, nichts davon tot |
| Tottasten | zwei, mit drei Akzentzeichen | drei, mit fünf Akzentzeichen |
| Dezimaltaste im Nummernblock | Komma | Punkt |
Insgesamt weichen 21 der 48 Zeichentasten voneinander ab, elf davon schon auf den ersten beiden Ebenen, also im sichtbaren Aufdruck. Was gleich bleibt, ist der Kern: alle Buchstabenpositionen samt dem Y-Z-Tausch, die Ziffern ohne Umschalt, die runden Klammern auf Umschalt mit 8 und 9 und das Euro-Zeichen auf AltGr und e.
Ein Detail verdient einen eigenen Satz, weil es Umsteiger täglich betrifft: das Fragezeichen liegt in beiden Ländern auf derselben Taste rechts neben der 0, jeweils mit Umschalt. Nur die erste Ebene darunter wechselt, in Deutschland das ß, in der Schweiz der Apostroph. Wer aus Deutschland kommt, findet das Fragezeichen also blind, das ß darunter aber nicht mehr.
Wo ist das ß auf der Schweizer Tastatur?
Nirgends, und zwar wörtlich: in den Layout-Dateien beider Schweizer Varianten kommt das Zeichen kein einziges Mal vor. Nicht als Taste, nicht hinter AltGr, nicht über eine Tottaste, und das große ẞ ebenso wenig. Das ist kein Platzmangel, sondern Abbild der Schreibpraxis: die Schweiz schreibt ss, aus der Straße wird die Strasse, und ein Zeichen, das die eigene Rechtschreibung nicht verwendet, bekommt keine Taste.
Gebraucht wird das ß trotzdem gelegentlich, etwa in einem Text für den deutschen Markt oder beim Zitieren. Dann bleibt unter Windows der Zahlencode, Alt gedrückt halten und 0223 auf dem Nummernblock, oder die Zeichenübersicht des Systems. Beide Wege, samt den Codes für die Großbuchstaben, stehen bei den Umlauten und dem Eszett.
Wie ist die Schweizer Zahlenreihe belegt?
Dreizehn Tasten, bis zu drei Ebenen. Die Ziffern selbst schreiben wie in Deutschland ohne Umschalttaste, die Ebenen darüber und darunter sind eigene Wege gegangen; „tot“ heißt, die Taste schreibt beim ersten Anschlag nichts.
| Taste | ohne Umschalt | mit Umschalt | mit AltGr |
|---|---|---|---|
| links neben der 1 | § | ° | |
| 1 | 1 | + | ¦ |
| 2 | 2 | " | @ |
| 3 | 3 | * | # |
| 4 | 4 | ç | ° |
| 5 | 5 | % | § |
| 6 | 6 | & | ¬ |
| 7 | 7 | / | | |
| 8 | 8 | ( | ¢ |
| 9 | 9 | ) | |
| 0 | 0 | = | |
| rechts neben der 0 | ' | ? | ´ (tot) |
| rechts daneben | ^ (tot) | ` (tot) | ~ (tot) |
Drei Zeilen fallen aus deutscher Sicht auf. Umschalt und 1 liefert kein Ausrufezeichen, sondern ein Plus, das Ausrufezeichen ist auf die ¨-Taste rechts vom ü gewandert. Umschalt und 4 liefert ein ç, das die deutsche Belegung überhaupt nicht direkt kennt, ein Zugeständnis an das Französische, das in derselben Zahlenreihe stecken muss. Und Umschalt und 3 schreibt einen Stern statt des Paragraphenzeichens, das Paragraphenzeichen wohnt links neben der 1.
Deutschschweiz und Romandie: was ändern die drei Tasten?
Die Schweiz führt in Windows zwei Belegungen, Schweizerdeutsch und Schweizer Französisch. Der Vergleich der beiden Layout-Dateien, Zeile für Zeile, ergibt exakt drei Tasten mit unterschiedlicher Belegung, und die Änderung ist immer dieselbe: die erste und die zweite Ebene tauschen die Plätze.
| Taste | Schweizerdeutsch | Schweizer Französisch |
|---|---|---|
| rechts vom P | ü, mit Umschalt è | è, mit Umschalt ü |
| rechts vom L | ö, mit Umschalt é | é, mit Umschalt ö |
| rechts daneben | ä, mit Umschalt à | à, mit Umschalt ä |
Alles andere ist identisch, bis hinunter zur AltGr-Ebene dieser drei Tasten. Ein Deutschschweizer zahlt für jedes è einen Umschalt-Griff, ein Romand für jedes ü, und dasselbe physische Board bedient beide: welcher der zwei Belegungen es folgt, entscheidet allein die Systemeinstellung.
Zwei Unterschiede stehen nicht in der Tastenzeile und sind trotzdem messbar. Erstens verhält sich die Feststelltaste in den beiden Varianten verschieden, dazu gleich mehr. Zweitens antwortet die tote ¨-Taste auf ein Leerzeichen unterschiedlich: die Deutschschweizer Belegung liefert das Trema ¨, die Westschweizer ein gerades Anführungszeichen ".
Wie schreibt man auf der Schweizer Tastatur große Umlaute?
In der Deutschschweizer Belegung mit der Feststelltaste, und das ist die eleganteste Eigenheit des Layouts. Umschalt scheidet aus, denn die zweite Ebene der drei Umlaut-Tasten ist schon vergeben: Umschalt und ü ergibt è, nicht Ü. Die Layout-Datei behandelt die drei Tasten deshalb gesondert. Bei aktivierter Feststelltaste schreibt die ü-Taste ein Ü, die ö-Taste ein Ö, die ä-Taste ein Ä, und wer zusätzlich Umschalt drückt, bekommt È, É und À. Sechs Großbuchstaben auf drei Tasten, alle sofort, ohne Umweg.
Die Westschweizer Belegung kennt diese Sonderbehandlung nicht: dort ändert die Feststelltaste an den drei Tasten nichts. Große Umlaute und große Akzentbuchstaben entstehen über die Tottasten, das tote Trema gefolgt vom Großbuchstaben ergibt Ä, Ö oder Ü, der tote Akut und der tote Gravis bauen É, È und À. Dieselben Wege stehen auch der Deutschschweizer Belegung offen, sie braucht sie nur seltener.
Wo liegen @, Klammern und Sonderzeichen?
Hinter AltGr, und diese Ebene ist in der Schweiz voller als in Deutschland: sechzehn belegte Positionen statt zwölf, zwei davon tot.
| Zeichen | Kombination |
|---|---|
| @ | AltGr und 2 |
| # | AltGr und 3 |
| € | AltGr und e |
| [ | AltGr und ü |
| ] | AltGr und ¨ |
| { | AltGr und ä |
| } | AltGr und Dollartaste |
| \ | AltGr und < |
| | | AltGr und 7 |
| ° | AltGr und 4 |
| § | AltGr und 5 |
| ¬ | AltGr und 6 |
| ¦ | AltGr und 1 |
| ¢ | AltGr und 8 |
| ´ (tot) | AltGr und Apostroph |
| ~ (tot) | AltGr und ^ |
Die eckigen und geschweiften Klammern stehen nicht wie in Deutschland auf der Zahlenreihe, sondern am rechten Rand: [ auf dem ü und ] auf der ¨-Taste in der oberen Reihe, { auf dem ä und } auf der Dollartaste eine Reihe tiefer. Wer Code schreibt, greift also mit der rechten Hand nach oben statt in die Zahlenreihe; welcher Griff schneller sitzt, ist Gewohnheit, fremd fühlen sich anfangs beide. Das µ des deutschen Layouts hat die Schweiz übrigens nicht, dafür stehen mit ¦, ¬ und ¢ drei Zeichen bereit, die Deutschland nirgends führt.
Die Dollartaste selbst sitzt rechts vom ä und trägt gleich zwei Währungen: $ ohne und £ mit Umschalt. Das deutsche Layout erreicht das $ nur über Umschalt und 4, das £ gar nicht.
Welche Tasten schreiben erst beim zweiten Anschlag?
Drei Tasten mit fünf Akzentzeichen, eine Taste und zwei Zeichen mehr als auf dem deutschen Layout. Die Taste rechts neben der 0 trägt den toten Akut auf AltGr, die Taste daneben ist dreifach tot, ^ ohne Umschalt, ` mit Umschalt, ~ mit AltGr, und die ¨-Taste rechts vom ü ist auf der ersten Ebene tot. Der erste Anschlag merkt sich das Zeichen, der zweite entscheidet, ob daraus â, ù oder ï wird; das Prinzip samt dem Notausgang über die Leertaste steht bei den Tottasten.
Umgekehrt gilt: die Taste links neben der 1, die in Deutschland den toten Zirkumflex trägt, ist in der Schweiz harmlos und schreibt sofort ihr § und °. Ob eine Taste tot ist, zeigt das Feld am Anfang dieser Seite, es liest jeden Tastendruck live aus dem System und funktioniert deshalb auch mit aktiver Schweizer Belegung.
Hat Österreich eine eigene Tastatur?
Nein. Die Liste der in Windows mitgelieferten Belegungen führt keinen Eintrag für Österreich, und das ist keine Lücke in der Liste, sondern der Normalfall des Alltags: ein Rechner in Wien schreibt auf exakt der deutschen Belegung, samt ß, großem ẞ und beiden Tottasten. Was das deutsche QWERTZ im Einzelnen kann, steht im Beitrag zum QWERTZ-Layout.
Ein Nachbar überrascht dagegen: die Layout-Datei der Westschweizer Belegung trägt in ihrem Kopf die Sprachkennung für Luxemburgisch. Wer in Luxemburg eine Tastatur einrichtet, landet auf dem Schweizer Layout, mit denselben drei Tottasten und demselben fehlenden ß.
Wie stelle ich die Schweizer Tastatur ein oder ab?
Beide Varianten sind Software und in jedem Windows enthalten, unabhängig davon, was auf den Tasten aufgedruckt ist. Der Weg führt über die Einstellungen, Zeit und Sprache, dort die gewünschte Sprache hinzufügen und die Schweizer Belegung als Tastatur auswählen; Windows und Leertaste wechselt danach zwischen den installierten Belegungen. Die Schritte im Detail, samt dem stillen Wechsel über die linke Alt-Taste mit Umschalt, der so manche scheinbar kaputte Tastatur erklärt, stehen in der Anleitung zum Ändern der Tastaturbelegung.
Gebaut ist die Schweizer Tastatur wie die deutsche fast immer in der ISO-Form mit 105 Tasten, hohem Enter und der zusätzlichen Taste neben dem linken Umschalt, auf der das \ liegt. Was diese Bauform sonst noch entscheidet, steht im Vergleich ISO oder ANSI.
FAQ
Warum hat die Schweizer Tastatur kein ß?
Weil die Schweizer Rechtschreibung ohne das Zeichen auskommt und ss schreibt. Die Layout-Dateien beider Schweizer Varianten enthalten das ß an keiner einzigen Stelle, auch nicht versteckt hinter AltGr oder einer Tottaste. Wer es braucht, holt es unter Windows mit Alt und 0223 vom Nummernblock.
Wie tippe ich das @ auf der Schweizer Tastatur?
Mit AltGr und 2. Die deutsche Kombination AltGr und q führt auf der Schweizer Belegung ins Leere, dort liegt hinter dem q gar nichts.
Worin unterscheiden sich die Deutschschweizer und die Westschweizer Belegung?
In genau drei Tasten, die jeweils erste und zweite Ebene tauschen: ü und è, ö und é, ä und à. Dazu kommen zwei Feinheiten: die Feststelltaste liefert nur in der Deutschschweizer Variante große Umlaute direkt, und die tote ¨-Taste ergibt mit der Leertaste einmal ¨ und einmal ein gerades Anführungszeichen.
Kann ich auf der Schweizer Tastatur Texte für Deutschland schreiben?
Ja, mit einer einzigen Hürde: dem ß. Alle Umlaute, auch die großen, sind erreichbar, nur das ß verlangt den Zahlencode oder die Zeichenübersicht. Alternativ lässt sich neben der Schweizer Belegung die deutsche installieren und mit Windows und Leertaste umschalten, das Board selbst spielt dabei keine Rolle.
Welche Tastatur nutzt Luxemburg?
Die Westschweizer. Die Layout-Datei der Schweizer Französisch-Belegung nennt als zugeordnete Sprachumgebung Luxemburgisch, ein eigenes luxemburgisches Layout führt Windows nicht.
Wie fremd oder vertraut sich die Belegung anfühlt, zeigt am schnellsten ein Text mit Geschichte. Der Abschnitt über das Eisenbahnnetz der Schweiz aus Meyers Konversations-Lexikon von 1888 zählt Normalspur, Zahnrad und Straßenbahnen auf, mit einem ß, das ausgerechnet die Schweizer Tastatur nicht kennt: das Lexikon war ein deutsches. Der Schwesterabschnitt über die Eisenbahnen in Österreich-Ungarn schickt mit Streckenlängen und Jahreszahlen die Zahlenreihe ins Training. Und der Wiener Dramatiker Ferdinand Raimund lässt 1828 im Alpenkönig eine Figur ins teure Tal zurückkehren, in der alten Schreibung mit daß, wie sie vor der Reform üblich war. Alle drei Abschnitte liegen mit Quelle und Jahr im Schreibtest.
Quellen, geprüft am 3. September 2026: die Karten der Deutschschweizer und der Westschweizer Belegung auf kbdlayout.info, beide Taste für Taste in der Layout-Datei nachgelesen, sowie die Karte der deutschen Belegung für den Vergleich.

