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Tippzertifikat: was ein Nachweis über das Tempo wirklich belegt

Veröffentlicht: · 4 Min Lesezeit · Aktualisiert:

Ein Tippzertifikat hält eine einzelne Messung fest: ein Datum, eine Dauer von 60 Sekunden bis zu zehn Minuten, das Tempo in Anschlägen pro Minute und die Genauigkeit in Prozent. Damit ist auch schon gesagt, was es nicht enthält, nämlich eine Aussage darüber, wie Sie an einem anderen Tag, an einer anderen Tastatur und mit einem anderen Text schreiben.

Was in einem solchen Papier steht

Die Angaben sind bei allen Anbietern ähnlich, weil sie sich aus dem Test selbst ergeben: Name, Datum, Dauer des Durchgangs, Tempo, Genauigkeit und gelegentlich die Textsorte. Manche Bescheinigungen führen zusätzlich die Zahl der Fehler auf oder nennen ein bereinigtes Tempo neben dem rohen.

Zwei Angaben entscheiden über den Wert des Dokuments, und beide fehlen häufig. Die erste ist die Dauer, denn 45 Wörter pro Minute über zehn Minuten sind eine andere Auskunft als derselbe Wert über eine Minute. Die zweite ist die Frage, ob der Durchgang beaufsichtigt war. Ohne Aufsicht bescheinigt das Papier, dass an irgendeinem Gerät jemand getippt hat, und nichts darüber hinaus.

Ergebnis und Dokument sind zwei Dinge

Ein Testergebnis entsteht in dem Moment, in dem Sie tippen, und es ist eine Messung. Ein Zertifikat ist eine Verpackung dieser Messung mit Ihrem Namen darauf, und der Name kommt in den meisten Fällen aus einem Eingabefeld, das Sie selbst gefüllt haben. Diese Reihenfolge erklärt, warum ein solches Dokument im Verfahren weniger Gewicht hat als ein Test, den der Arbeitgeber selbst laufen lässt.

Kein Nachweis ersetzt daher die Messung im Verfahren. Wie ein Schreibtest dort abläuft, welche Schwellen in Anzeigen genannt werden und wie die Rücktaste gewertet wird, steht im Beitrag über den Schreibtest für Bewerbungen.

Es gibt keine gemeinsame Skala

Bei Sprachnachweisen gibt es den gemeinsamen europäischen Referenzrahmen mit den Stufen A1 bis C2, und deshalb bedeutet B2 überall dasselbe. Für das Tippen existiert kein solcher Rahmen. Jeder Anbieter zählt nach seiner eigenen Regel, und schon die Frage, ob korrigierte Fehler mitzählen, verschiebt das Ergebnis um mehrere Wörter pro Minute.

Deshalb sind zwei Bescheinigungen mit derselben Zahl nicht vergleichbar, solange Dauer, Zählweise und Textsorte fehlen. Wer die Einheiten selbst nachrechnen möchte, findet die Umrechnung von Anschlägen, Stundenwerten und Wörtern pro Minute im Beitrag über die durchschnittliche Tippgeschwindigkeit.

Wer solche Nachweise ausstellt

Bescheinigungen kommen aus drei Richtungen. Bildungsträger, Schulen und Volkshochschulen bestätigen die Teilnahme an einem Kurs und nennen dabei ein am Ende gemessenes Tempo. Prüfungsstellen im Rahmen einer Ausbildung bescheinigen eine abgelegte Prüfung mit festen Bedingungen. Und zahlreiche Webseiten stellen nach einem Onlinetest sofort eine Datei aus.

Die erste und zweite Gruppe hat gegenüber der dritten einen Vorteil, der nichts mit dem Papier zu tun hat: Dort war jemand anwesend. Bei einem Onlinetest ohne Aufsicht bleibt die Messung so belastbar wie jede andere Selbstauskunft, und das ist in Ordnung, solange sie als solche auftritt.

Wenn eine Seite Geld verlangt

Kostenpflichtige Angebote sind nicht von vornherein unseriös. Prüfen lassen sich sechs Punkte, bevor Sie zahlen:

1. Steht der Preis vor dem Test oder erst, nachdem Ihr Ergebnis auf dem Bildschirm liegt? 2. Handelt es sich um eine einmalige Zahlung oder um ein Abonnement mit Laufzeit und Kündigungsfrist? 3. Was genau erhalten Sie, eine Datei zum Ausdrucken oder einen dauerhaft prüfbaren Eintrag? 4. Kann ein Dritter die Angaben nachprüfen, oder bestätigt die Seite nur ihr eigenes Ergebnis? 5. Welche Daten verlangt das Formular, und warum braucht eine Tempoangabe eine Postadresse? 6. Nennt das Dokument Dauer, Zählweise und Genauigkeit, oder nur eine große Zahl?

Fehlt die Antwort auf Punkt vier, bezahlen Sie für eine Gestaltung, nicht für einen Nachweis. Das gilt genauso für Angebote, die eine Bescheinigung für den Zehnerblock versprechen; welche Einheit dort überhaupt sinnvoll ist, beschreibt der Beitrag über den Nummernblock.

Was hier ausgestellt wird, und was nicht

Keys&Type stellt keine Bescheinigung aus, weder kostenlos noch gegen Geld. Der Schreibtest misst und zeigt Ihre Zahlen, und er speichert auf Wunsch eine Ergebniskarte als Bilddatei. Diese Karte ist die Aufnahme Ihrer eigenen Messung, kein Dokument mit Beweiskraft, und wir bezeichnen sie auch nicht so. Bestmarken und Verlauf bleiben im Browser Ihres Geräts.

Für die Bewerbung ist das oft genug. Wer ein Tempo im Anschreiben nennt, nennt es am besten vollständig, also mit Dauer und Genauigkeit, und rechnet damit, im Verfahren gemessen zu werden. Diese Angabe ist ehrlicher als ein Papier, das dieselbe Zahl mit einem Siegel schmückt. Und falls eine Taste beim Üben hakt und das Ergebnis drückt, klärt der Tastaturtest das in einer halben Minute.

Zum Weiterschreiben passt ein Text, der genau von dieser Frage handelt. Immanuel Kants Was ist Aufklärung? Sapere aude von 1784 erklärt Unmündigkeit als Unvermögen, sich des eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen, und endet in zwei Ausrufen. Friedrich Schillers Universalgeschichte, Bahn zur Unsterblichkeit von 1789 passt daneben, weil dieser Schlusssatz die Tat über den Namen ihres Urhebers stellt.

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Jeder Abschnitt ist gemeinfrei. Autor, Jahr und Quelle stehen auf seiner Seite.

Was ist Aufklärung? Sapere aude

Immanuel Kant · 1784

Kant beantwortete 1784 eine Frage, die die Berlinische Monatsschrift ein Jahr vorher gestellt hatte. Sein Aufsatz erschien im Dezemberheft dieser Zeitschrift, und er selbst setzte darunter das Datum 30. September 1784. In einer Fußnote schreibt Kant, er habe erst nach dem Abschluss gehört, dass Moses Mendelssohn dieselbe Frage beantwortet hatte. Der Wahlspruch Sapere aude stammt aus einem Brief des römischen Dichters Horaz. Wikisource zeigt den Text nach dem Erstdruck.

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Universalgeschichte, Bahn zur Unsterblichkeit

Friedrich Schiller · 1789

Mit diesen Sätzen endet Schillers Antrittsrede in Jena. Er stellt der Berühmtheit des Namens die Wirkung der Tat gegenüber und nennt das die wahre Unsterblichkeit. Die Schreibungen aufgethan und That mit h waren damals üblich und wurden erst mit der Rechtschreibreform von 1901 abgeschafft. Wikisource gibt den Wortlaut nach einer frühen Druckfassung wieder.

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