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Reden und Geschichte

Was ist Aufklärung? Die Unmündigkeit

Immanuel Kant erschienen 1784 473 Zeichen mittel

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen, und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit.

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Über diesen Text

In diesem Abschnitt nennt Kant Satzungen und Formeln die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Der Aufsatz erschien 1784 in der Berlinischen Monatsschrift, die von Johann Erich Biester und Friedrich Gedike herausgegeben wurde. Kant lebte damals in Königsberg und lehrte dort Logik und Metaphysik. Der ganze Aufsatz ist kurz und passt auf wenige Druckseiten, die bei Wikisource nachlesbar sind.

Woher dieser Text stammtDer Abschnitt sitzt zwischen zwei anderen: davor stehen die Vormünder und ihr Gängelwagen, danach wendet sich der Blick auf das Publikum. Im Druck läuft er über einen Seitenwechsel, denn Seite 482 endet mitten im ersten Satz, und Seite 483 beginnt mit dem Wort herauszuarbeiten. Drei ß prägen das Schriftbild: ließ, Mißbrauchs und Fußschellen. Bemerkenswert ist außerdem, was fehlt, nämlich jede Zahl und jeder Name; vierzehn der sechzehn Großbuchstaben gehören zu Hauptwörtern, die beiden anderen zu den Pronomen Es und Er. Der Abschnitt kommt außerdem ohne wörtliche Rede und ohne Aufzählung aus, was ihn zu einem gleichmäßigen Stück macht.

Was man leicht übersiehtVon den drei Sätzen trägt keiner ein anderes Satzzeichen als Komma und Punkt. Sechs Kommas, drei Punkte, sonst nichts: keine Klammer, kein Strich, kein Fragezeichen, keine Ziffer auf 473 Zeichen. Quelle

Was er übtZweiundzwanzig Wörter im Schnitt je Satz bedeuten lange Strecken ohne Halt; wer den Faden verliert, findet ihn erst weit hinten wieder. Neun Sonderzeichen liegen auf 473 Zeichen, also 2,3 Prozent der Buchstaben: vier ü, drei ß, zwei ä. Das ß hat auf der deutschen Belegung eine eigene Taste, und sie fällt hier dreimal in kurzem Abstand. Sechs Wörter reichen über zehn Buchstaben hinaus, an der Spitze herauszuarbeiten mit sechzehn und immerwährenden mit vierzehn. Der Schlusssatz schiebt zwischen Subjekt und Prädikat elf Wörter Einschub, sodass die Finger weiterlaufen, während der Sinn noch wartet. Kein Satz kommt ohne Umlaut aus, und keiner ohne ein Wort von mehr als zehn Buchstaben.

Mehr zu diesem TextWarum Kant die Aufklärung für unvollendet hielt

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Wikisource

Titelbild zu Was ist Aufklärung? Die Unmündigkeit von Immanuel Kant, 1784
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1784, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Wikisource

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