Tastatur für Programmierer: QWERTZ, AltGr und die dritte Ebene
Auf dem deutschen Standardlayout liegen acht Zeichen, die Code ständig braucht, auf der dritten Ebene und damit hinter AltGr: die geschweiften Klammern, die eckigen Klammern, der Backslash, der senkrechte Strich, das At-Zeichen und die Tilde. Genau deshalb überträgt sich ein Tempo, das Sie an Fließtext gemessen haben, nicht auf eine Datei mit Quellcode.
Die dritte Ebene ist der Unterschied
AltGr sitzt rechts neben der Leertaste und öffnet eine zusätzliche Belegung der Tasten. Im deutschen Layout entstehen so die geschweiften Klammern über AltGr mit der Sieben und der Null, die eckigen Klammern über AltGr mit der Acht und der Neun, der Backslash über AltGr und die ß-Taste, der senkrechte Strich über AltGr und die kleine Taste neben dem linken Shift, das At-Zeichen über AltGr und q sowie die Tilde über AltGr und die Plus-Taste.
Die linke Alt-Taste öffnet diese Ebene nicht. Unter Windows entspricht AltGr der Kombination aus Steuerungstaste und rechtem Alt, und daraus folgt ein Nebeneffekt, den viele in der Entwicklungsumgebung erleben: Fängt ein Programm ein Kürzel mit Strg und Alt ab, liefert AltGr an dieser Stelle kein Zeichen. Die Ursache liegt dann nicht in der Tastatur.
Eine Zeile durchgezählt
Rechnen ist hier überzeugender als jede Meinung. Nehmen Sie die Zeile arr[i] = { key: "val" }; und zählen Sie nur die Anschläge, die einen Modifikator brauchen.
- Auf dem deutschen Layout: vier Griffe mit AltGr für die beiden eckigen und die beiden geschweiften Klammern, dazu fünf Griffe mit Shift für das Gleichheitszeichen, den Doppelpunkt, die beiden Anführungszeichen und das Semikolon. Zusammen neun.
- Auf einem US-Layout: die eckigen Klammern, das Gleichheitszeichen und das Semikolon liegen unverändert auf eigenen Tasten, es bleiben fünf Griffe mit Shift.
Vier Anschläge Unterschied in einer einzigen kurzen Zeile summieren sich über einen Arbeitstag, und sie kosten mehr als ihre Zahl, weil AltGr die rechte Hand aus der Grundstellung holt. Das ist der sachliche Kern hinter der Beobachtung, dass viele Entwickler in Deutschland ihren Code auf einem US-Layout schreiben.
Y, Z und die Kürzel
QWERTZ und QWERTY unterscheiden sich nicht in der Bauform, sondern in der Belegung: Y und Z sind getauscht. Für Text ist das gleichgültig, für Tastenkürzel nicht, weil Strg und Z beim Rückgängigmachen unter dem linken Zeigefinger liegt statt unter dem kleinen Finger. Wer zwischen zwei Layouts wechselt, greift dieses Kürzel wochenlang daneben. Welche Positionen die Bauform überhaupt anbietet, beschreibt der Beitrag über ISO und ANSI.
Was der Wechsel kostet
Ein reines US-Layout nimmt Ihnen ä, ö, ü und ß. Für Code ist das folgenlos, für Kommentare, Commit-Nachrichten und deutsche Zeichenketten nicht. Drei Wege sind üblich, und alle drei haben einen Preis.
1. US International: dieselbe Anordnung, dafür werden Apostroph, Anführungszeichen, Gravis und Tilde zu Tottasten. Umlaute entstehen mit Anführungszeichen und Vokal, dafür braucht jeder Apostroph im Code die Leertaste hinterher. 2. Zwei Layouts parallel und Umschalten mit einem Kürzel: kein Zeichen fehlt, dafür tippen Sie regelmäßig im falschen Layout los. 3. Beim deutschen Layout bleiben und AltGr trainieren: nichts fehlt, dafür bleiben die vier Griffe aus der Rechnung oben.
Wie sich Tottasten von einem Defekt unterscheiden, steht im Beitrag über Tottasten, und wo die einzelnen Codezeichen auf beiden Layouts liegen, sammelt der Beitrag über Sonderzeichen mit AltGr.
Warum Code langsamer läuft als Prosa
Das ist keine Schwäche, sondern die Folge der Arbeit selbst. Fließtext läuft in Wortmustern, die die Hände kennen; Quellcode besteht aus Namen, die es gestern noch nicht gab, aus Klammerpaaren, die geschlossen werden müssen, und aus Zeichen, bei denen ein Vertipper kein Rechtschreibfehler ist, sondern ein Fehler im Programm. Dazu kommen Pausen zum Nachdenken, die eine Uhr als langsames Tippen liest.
Ein zweiter Grund ist die Umgebung: Autovervollständigung, Einrückung und automatisch ergänzte Klammern erzeugen Zeichen, die Sie nie getippt haben. Ein Tempo, gemessen in Zeichen pro Minute, sagt über Ihre Arbeit im Editor daher wenig. Sinnvoll messbar ist etwas anderes, nämlich ob Sie die Sonderzeichen ohne Blick auf die Tastatur treffen.
Wer trotzdem eine Zahl möchte, vergleicht am ehrlichsten mit sich selbst und in zwei Spalten: einmal Fließtext, einmal eine Datei aus dem eigenen Projekt. Der Abstand zwischen beiden Werten ist die eigentliche Auskunft, denn er zeigt, wie viel die dritte Ebene und die Klammerpaare kosten. Schrumpft dieser Abstand über Wochen, liegt das fast immer an den Griffen mit AltGr und selten an den Buchstaben.
Was sich prüfen und üben lässt
Der Tastaturtest zeigt die physische Tastenposition getrennt von dem Zeichen, das Ihr Systemlayout daraus erzeugt. Damit lässt sich in einer Minute klären, ob AltGr überhaupt ankommt, ob die kleine Taste neben dem linken Shift vorhanden ist und welches Zeichen sie liefert. Für das Üben selbst hat der Schreibtest ein Feld für eigenen Text: Fügen Sie eine kurze Datei aus Ihrem eigenen Projekt ein, dann üben Sie an Zeichen, die Sie wirklich brauchen.
Für die Buchstabenseite passt Prosa mit langen zusammengesetzten Wörtern, weil sie sich wie lange Bezeichner anfühlt. Alfred Wegeners Abschnitt über Die Form der Kontinentaltafeln von 1920 ist ein einziger Schachtelsatz mit Kommas und der Abkürzung Fig., an dem sich gleichmäßiges Tempo über eine ganze Zeile hinweg gut beobachten lässt.