Gaming-Tastatur selbst testen: was ein Browser messen kann
Das Boot-Protokoll von USB HID überträgt 6 Tasten plus Modifikatoren gleichzeitig, und deshalb ist eine verweigerte siebte Taste in diesem Modus eine Grenze des Protokolls und kein Defekt der Tastatur. Wer eine Tastatur beurteilen will, trennt zuerst diese Grenzen von echten Fehlern, denn sonst hält man normales Verhalten für einen Mangel und umgekehrt.
Drei Fehlerbilder, die man auseinanderhalten muss
Erstens die Phantomtaste, im Englischen Ghosting: Es erscheint ein Zeichen, dessen Taste niemand gedrückt hat. Zweitens das Blockieren: Eine wirklich gedrückte Taste kommt nicht an. Drittens das Prellen, auch Chatter genannt: Eine Taste meldet sich zweimal, obwohl sie nur einmal gedrückt wurde.
Die drei haben verschiedene Ursachen. Phantomtasten und Blockieren entstehen in der Matrix, also in der Verdrahtung, mit der viele Tasten auf wenige Leitungen gelegt werden. Fehlen dort die Dioden, kann eine Kombination aus drei Tasten eine vierte vortäuschen oder eine echte unterdrücken. Prellen entsteht dagegen im einzelnen Schalter und wird über Wochen meist schlimmer statt besser.
Die Grenze von sechs Tasten und N-Key Rollover
Im einfachen Modus, den jede Tastatur auch ohne Treiber beherrscht, passen sechs normale Tasten plus die Modifikatoren in eine Meldung. Shift, Steuerungstaste, Alt und AltGr zählen dabei nicht mit, weil sie eigene Bits haben. Tastaturen mit N-Key Rollover melden mehr, indem sie ein anderes Meldeformat benutzen; die Bezeichnung sagt, dass die Zahl gleichzeitiger Tasten nicht begrenzt ist.
Für die Praxis heißt das: Wenn bei vier oder fünf gehaltenen Tasten Schluss ist, liegt das an der Matrix und ist bei günstigen Modellen normal. Wenn bei genau sechs Schluss ist, sehen Sie die Protokollgrenze. Beides fällt beim Spielen auf, im Text fast nie, weil dort selten mehr als drei Tasten gleichzeitig liegen.
Was im Browser messbar ist
Der Tastaturtest sieht das Drücken und das Loslassen jeder Taste und kann damit vier Dinge feststellen: ob eine Taste überhaupt antwortet, welches Zeichen sie in Ihrem Layout liefert, wie viele Tasten gleichzeitig ankommen, und ob eine Taste innerhalb von 45 Millisekunden zweimal meldet. Nicht gedrückte Tasten bleiben in einer Liste stehen, damit keine Position unbemerkt bleibt.
Für Esc, F11 und Tab gibt es einen Zusatzschritt, weil diese Tasten normalerweise dem Browser gehören. Im Vollbild kann die Seite die Tastatur übernehmen, und dann lassen sich auch sie prüfen. Firefox und Safari unterstützen diese Übernahme nicht, dort bleibt der gewöhnliche Test.
Was unsichtbar bleibt
Vier Eigenschaften kann keine Webseite messen, und wer das Gegenteil behauptet, misst etwas anderes.
- Die Betätigungskraft in Gramm. Der Browser erfährt nur, dass ausgelöst wurde, nicht wie schwer es fiel.
- Den Weg in Millimetern und den Auslösepunkt. Ein Schalter, der nach 1,2 Millimetern schaltet, meldet dasselbe wie einer mit 2,0 Millimetern.
- Das Geräusch und den Anschlagcharakter. Beides entscheidet über den Eindruck und liegt außerhalb jeder Messung im Browser.
- Die Abfragerate der Tastatur. Messbar ist die Zeit vom Anschlag bis zur Anzeige, und die enthält Betriebssystem und Browser gleich mit.
Ebenfalls außen vor bleiben Tastenkombinationen, die das System für sich behält: die Windows-Taste, Steuerung mit Alt und Entfernen, Alt mit Tabulator und in manchen Browsern die Kürzel zum Schließen und Öffnen von Reitern. Das ist eine Grenze des Systems, nicht der Seite. Die Windows-Taste prüfen Sie in den Systemeinstellungen.
Prüfung in fünf Minuten
Sinnvoll ist eine feste Reihenfolge, weil sonst genau die Tasten fehlen, die man selten braucht. Zuerst die Buchstaben, dann die Zahlenreihe, dann die Modifikatoren, danach die Sondertasten am Rand und zuletzt der Zahlenblock. Notieren Sie das Ergebnis, bevor Sie an der Tastatur etwas ändern, sonst wissen Sie hinterher nicht, ob die Reinigung geholfen hat.
Gehen Sie die Tastatur Reihe für Reihe durch, einschließlich Zahlenblock, Funktionstasten und Modifikatoren, und arbeiten Sie danach die Liste der nicht gedrückten Positionen ab. Halten Sie anschließend absichtlich mehrere Tasten gleichzeitig, um die Rollover-Grenze zu sehen, und drücken Sie zuletzt zwanzig Mal schnell dieselbe Taste, um Prellen aufzudecken.
Bleibt eine einzelne Taste stumm, während die Nachbarn melden, ist zuerst Reinigung an der Reihe, denn Krümel und Hautfett erklären die Mehrheit dieser Fälle. Liefert eine Taste ein unerwartetes Zeichen, ist die Hardware in Ordnung und das Layout im System die Ursache; bei Zeichen, die erst beim zweiten Anschlag erscheinen, hilft der Beitrag über Tottasten. Fällt eine ganze Reihe oder Spalte aus, deutet das auf die Matrix hin und nicht auf einen einzelnen Schalter.
Ein Hinweis zur Einordnung: Wir verkaufen keine Hardware und empfehlen keine Modelle. Der Test ist ein Prüfmittel, mit dem Sie vor einer Rücksendung, nach einem verschütteten Getränk oder vor einem Gebrauchtkauf selbst nachsehen können, was das Gerät wirklich tut. Welche Bauform vor Ihnen steht, klärt der Beitrag über ISO und ANSI.
Nach so viel Prüfen tut ein Text gut, der sich über das Prüfen selbst lustig macht. Wilhelm Buschs Gedicht Die Selbstkritik hat viel für sich aus der Sammlung Kritik des Herzens von 1874 rechnet in zwölf kurzen Versen vor, was der Verfasser von seinem eigenen Tadel hat, und übt dabei Zeilenwechsel und Semikolon am Versende.