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Wissenschaft

Physiognomik der Gewächse, Fülle des Lebens

Alexander von Humboldt erschienen 1806 400 Zeichen mittel

Wenn der Mensch mit regsamem Sinne die Natur durchforscht, oder in seiner Phantasie die weiten Räume der organischen Schöpfung misst, so wirkt unter den vielfachen Eindrücken, die er empfängt, keiner so tief und mächtig als der, welchen die allverbreitete Fülle des Lebens erzeugt. Ueberall, selbst am beeisten Pol, ertönt die Luft von dem Gesange der Vögel, wie von dem Sumsen schwirrender Insecten.

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Über diesen Text

Der Text ist ein Vortrag Humboldts, den er 1806 in Berlin hielt und später in die Ansichten der Natur aufnahm. Humboldt hatte von 1799 bis 1804 Amerika bereist und dabei Pflanzen, Gestein und Höhenlagen vermessen. Er verband dabei Messwerte und anschauliche Beschreibung, was seine Bücher populär machte. Der Text steht bei Project Gutenberg.

Woher dieser Text stammtMit diesem Satz setzt der Vortrag ein; er steht ganz am Anfang, noch vor jeder Beschreibung einzelner Pflanzen. Die Textfassung behält die Eigenheiten ihrer Druckvorlage bei: Ueberall beginnt mit U und e statt mit einem großen Ü, Insecten trägt ein c, und Sumsen kommt mit einem einzigen m aus. Zwei Sätze bilden das Stück; der erste läuft über dreiundvierzig Wörter, ehe der Hauptgedanke dasteht. Zwischen den beiden Sätzen liegt der Sprung vom Nachdenken zur Beobachtung, und mit ihm wechselt der Wortschatz von abstrakten Begriffen zu Vögeln und Insecten.

Was man leicht übersiehtIn der ganzen Textfassung dieses Vortrags kommt kein einziges ß vor. Wer den Ausschnitt tippt, lässt die ß-Taste also unberührt. Das gilt für jede Seite des Vortrags. Quelle

Was er übtZwei Sätze, zweiundsechzig Wörter, einunddreißig im Schnitt: lange Bögen, in denen acht Kommas den Takt vorgeben und sonst nur zwei Punkte stehen. Acht Sonderzeichen liegen auf 400 Zeichen, drei ä, drei ö und zwei ü, gleichmäßig verstreut, sodass die Hand immer wieder in die obere Reihe greift. Fünfzehn der siebzehn Großbuchstaben stehen mitten im Satz. Am schwersten sind allverbreitete mit vierzehn Buchstaben und durchforscht, in dem nach jedem Vokal vier oder fünf Konsonanten hintereinander folgen und kein Buchstabe die Hand zur Ruhe kommen lässt. Der Wortdurchschnitt liegt bei gut fünf Buchstaben, aber die Streuung ist groß, und genau dieser Wechsel zwischen kurzen und langen Griffen kostet Tempo.

Aus unserem BlogBlind schreiben lernen: Grundstellung, Finger, Tempo

Den ganzen Text lesen Sie beim Herausgeber: Project Gutenberg

Ein älterer Mann mit Brille, grauem Haar und weißem Halstuch vor dunklem Grund, Anton Graff Selbstbildnis, Anton Graff, 1805.
Wikimedia Commons
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Status der Gemeinfreiheit: veröffentlicht 1806, vor mehr als 125 Jahren. gemeinfrei, Project Gutenberg

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